Die 16. Lange Nacht der Computerspiele

Zwei Jahre lang ging es pandemiebedingt nur online weiter, aber 2022 fand die Lange Nacht der Computerspiele wieder vor Ort statt. Die Redaktion von QUICK-SAVE.de besuchte die Veranstaltung vor Ort.


Nachdem Redakteur Kevin Puschak 2018 und 2019 das Spiele-Event, welches schon seit 2007 im Lipsius-Bau der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig stattfindet, besucht hat, kam 2020 die Corona-Pandemie, die die Veranstaltung kurzerhand ins Internet katapultiert hat. Zwar wurde dies bewerkstelligt durch einen Webauftritt voll mit kleinen Spielchen und Livestreams zu Gaming-Sessions oder Vorträgen. Da ist es allerdings verständlich, dass das eine Vor-Ort-Atmosphäre nicht ersetzen kann.

Im Jahr 2 nach Pandemiebeginn dachten die Veranstalter, dass es nach all den beschlossenen Lockerungen in Deutschland wieder an der Zeit wäre, die Lange Nacht der Computerspiele wieder vor Ort stattfinden zu lassen. Selber Ort, selber Wochentag und sogar dieselbe Startzeit: ab 14 Uhr durften die Besucher:innen die Räumlichkeiten mit FFP2-Maske kostenlos betreten. Auf vier Stockwerken verteilt gab es auch einiges zu entdecken, wenn auch nicht so viel wie zu Zeiten vor der Pandemie.

Viele Wege führen nach Rom, aber auch zum Event. Von der A14 kommend ist die Fahrt zum HTWK Leipzig etwas verwirrend, aber mit Navigationssystem durchaus machbar. Bequemer ging das von der westlich neben Leipzig gelegenen A38. Wer Fan des öffentlichen Personennahverkehrs ist, konnte auch mit den Straßenbahnen oder den Bussen der Leipziger Verkehrsbetriebe anreisen. Aber selbst Autofahrende finden im näheren Umkreis genügend kostenlose Parkmöglichkeiten.

Erdgeschoss

Im Foyer dürfte dem ein oder anderen, der diese Veranstaltung schon Jahre zuvor besucht hat, aufgefallen sein, dass die Vitrinen mit Ausstellungen verschiedener Spielethemen wie historische Konsolen, bestimmte Spielereihen oder Dekogegenständen, verschwunden sind. Am Eingang gab es eine Taschenkontrolle und für Presse und Aussteller:innen rote Pünktchen für die eigenen Gerätschaften, die beim Herausgehen erneut an einem separaten Ausgang kontrolliert wurden.

Nicht nur Digitales, sondern auch Analoges gab es zu bestaunen

Neben dem Eingang präsentierte der Mitteldeutsche Rundfunk in Form von MDR next und dem interaktiven Klimarettungshörspiel Mission to Mars auf kinderleichte Art und Weise das Programmieren. Ein Stückchen weiter gab es ein vom Verein Classic Tetris Germany ein als Livestream übertragenes Tetris-Turnier, in dem die Besucher aber auch auf verschiedenen Konsolen die zahlreichen Varianten des blockigen eckigen Klassikers spielen konnten. Diese konnten auch gegeneinander mit zwei via Kabel verbundenen Game Boys spielen.

Im Speisesaal kamen die Freunde analoger Spiele auf ihre Kosten. Schlachten mit Karten voller Werte und Eigenschaften oder Brettspiele mit detailreichen Figuren. Oder einfach nur eine Runde Klötzchen auf eigene Gefahr entfernen mit Jenga. Nicht nur die Spiellust, sondern auch der Hunger und der Durst konnten dank der günstigen Speiseangebote in der Mensa gestillt werden.

Erste Etage

Wer brandneue Spiele kleinerer Indie-Entwickler:innen entdecken wollte, war in der ersten Etage goldrichtig. Unsere Neugierde war geweckt, als Autobahn Police Simulator 3 präsentiert wurde. Das freundliche Angebot eines Posters zu dem Spiel, die es in reichlichen Mengen gab, haben wir dankend abgelehnt. Ansonsten waren die (Mit)entwickler:innen vor Ort und erklärten den Besucher:innen bei Bedarf Schritt für Schritt ihre Titel.

Videospiele sind nichts Halbes und nichts Ganzes ohne Design. Im linken Teil durften Besucher in der Artist-Area Künstler:innen über die Schulter schauen, wie sie ihre Werke entweder ganz klassisch mit Papier und Bleistift vollenden oder ihre bereits fertiggestellten Zeichnungen begutachten. Manche von ihnen arrangierten diese Zeichnungen mithilfe von Codes in einem Computerprogramm am PC. Am Ende des Gangs ging es wesentlich ruhiger zu, denn hier durfte in einer gemütlichen Runde Pen & Paper gespielt werden.

Zweite Etage

Getrieben von 8-Bit-Musik werden die Besucher:innen auf der zweiten Etage mit sehr viel Retro-Feeling begrüßt. Denn wie es so üblich war hat sich auch dieses Jahr wieder Radio Parallax in der Mitte des Stockwerks gesellt. Diese boten nicht nur ein abwechslungsreiches Programm mit Musik aus der Demoszene, sondern auch eine kleine Spielstation mit einem Sega Dreamcast und einem Commodore C64.

Freunde von klassischen PC-Systemen der vergangenen Jahrzehnte kamen in einem Raum besonders auf ihre Kosten, wenn sie auf Computern der 1990er Jahre Spiele wie The Secret of Monkey Island, Commander Keen oder Descent II spielen konnten. Zwar nicht immer mit vollkommen authentischen Setup dank Flachbildschirmen, aber zumindest der Einsatz eines echten Roland MT-32 entschädigt alles. Einer der Aussteller teilte uns mit, dass sein heiß geliebter Siemens Nixdorf FD 200 – eine Kombination aus Fernseher und All-in-One-Computer aus dem Jahr 1995 – den Geist aufgegeben hat und einige Plastikhalterungen vom Gehäuse gerissen sind. Zu schade, denn auf dem Gerät durfte man vor einiger Zeit das Spiel Warcraft II bewundern.

Viel Abwechslung bot auch ein Raum mit einigen Spielekonsolen, die auch schon sehr viele Jahre auf dem Buckel haben. Ja, selbst ein Nintendo Gamecube gehört zu dieser Kategorie. Sonst waren die wichtigen Hersteller wie Nintendo, Sony, Sega und Atari vertreten. Ein alter Apple-Computer in einer Ecke war nicht eingeschaltet, aber genau in dessen Richtung roch es danach, als wäre ein Kondensator geplatzt. Ein Augenschmaus war allerdings eine Autorennbahn in der Mitte des Raums.

Wer kennt noch die Fernsehshow Hugo, die Anfang der 1990er Jahre auf dem Sender Kabel 1 lief? In dieser Etage konnte das Kultspiel auf einem Amiga gespielt werden, jedoch nicht etwa mit Computertastatur oder Joystick, sondern genau so, wie die Kandidat:innen es damals auch spielen durften: mit den Tasten eines Telefons. Und wer Lust hatte, konnte sich mit einem Pappaufsteller in Form von András Arató – besser bekannt als das Meme „Hide the Pain Harold“ – ablichten lassen, während jemand daneben an einer Arcade-Maschine zockt.

Während man in der zweiten Etage links eher den Retro-lastigen Bereich hat, gab es im rechten Korridor den eSport-Bereich. Nicht nur wurden virtuelle Wettkämpfe ausgetragen, sondern auch die Besucher konnten sich etwa in Mario Kart um die besten Plätze kämpfen.

Dritte/Vierte Etage

Grafikkarten sind nach wie vor teuer, aber ein noch größeres Loch in die Finanzen reißt da noch eher ein vernünftiges Equipment für Virtual Reality. Bei der Langen Nacht der Computerspiele bekamen Interessierte hier Möglichkeiten, in virtuelle Welten mit fetter Monitorbrille und Motion Controllern abzutauchen. Direkt bei der Ankunft der Etage gibt es die erste ungewöhnliche Attraktion in der Hinsicht: einen Rollstuhl-Simulator. Klar, virtuelle Realität, da kann man vieles erleben, selbst wie es ist, im Rollstuhl zu sitzen. Aber auch in Crazy Machines konnten die Gesetze der Physik in der virtuellen Realität bewundert werden.

Im studentischen VR-Projekt Asylum Racer gilt es, im Rollstuhl der Anstalt zu entfliehen

Leider hat das Team der vierten Etage relativ wenig Beachtung geschenkt. Zwar wurde uns freundlicherweise dieser Korridor ebenfalls präsentiert, doch aufgrund der vielen Stationen, die es in den vorherigen Etagen zu entdecken gab, fehlte uns schlichtweg die Gelegenheit, entweder das Science MashUp und die Podiumsdiskussionen mitzuerleben.

Fazit

Klar, eine Lange Nacht der Computerspiele in exakt der damaligen Form kann man in solch einer Lage nicht bringen, aber das, was realisiert wurde, ist in Anbetracht der Tatsachen ordentlich ausgefallen. Nach wie vor ist der Eintritt gratis, für die Besucher:innen wird allerhand Spielereien angeboten und die Stimmung ist so positiv wie immer. Die Anzahl der Attraktionen ist geringer als in den vorherigen Jahren vor Ort, dennoch wurde ordentlich was auf die Beine gestellt. Die FFP2-Maskenpflicht wurde zum allergrößten Teil eingehalten, die Hygienemaßnahmen ließen bei unseren Durchgängen auf den ersten Blick etwas zu wünschen übrig, zumal nicht überall ein gesunder Mindestabstand eingehalten werden konnte, bedingt dadurch, dass niemand die Personen in den Räumlichkeiten gezählt hat. Im Großen und Ganzen kann die 17. Lange Nacht der Computerspiele – sehr gerne vor Ort (je nach Pandemielage) – gerne kommen.

chevron_left
chevron_right

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentar
Name
E-Mail
Website