Hot Wheels Unleashed • Lasst die heißen Räder frei!

Nicht einfach nur sammeln, sondern auch damit spielen: In Hot Wheels Unleashed können Spieler die berühmten kleinen Spielzeugautos durch spektakuläre Strecken jagen. Wie viel Spaß bringt die Arcade-Raserei?


Milestone haucht den Spielzeugautos Leben ein. Die Marke Hot Wheels des Herstellers Mattel erobert schon seit dem Jahr 1968 mit ihren teilweise sehr ausgefallenen Fahrzeugmodellen die Kinderzimmer. Schon seit einiger Zeit kann man diese Autos auch in Videospielen vorfinden, angefangen mit dem Titel Hot Wheels für den Commodore 64 im Jahr 1985. 2021 kommt mit Hot Wheels Unleashed ein neuer Titel, in dem man nicht nur wilde Strecken befahren, sondern diese auch noch selber bauen kann. Und das sogar auf gewohnten Umgebungen, um klarzumachen: man steuert die richtigen Hot-Wheels-Fahrzeuge.

66 Fahrzeuge umfasst das Sortiment, darunter auch welche von bekannten Herstellern wie Audi oder Honda, die die Spieler auf 45 Strecken voller Kurven, Geraden und Loopings bewegen dürfen, sei es im Einzelspieler-Modus im „Hot Wheels City Rumble“ genannten Meisterschaftsmodus mit Einzel-, Zeit- und Bossrennen, oder im Multiplayer mit anderen Spielern online oder sogar im Splitscreenmodus. Im Laufe der Zeit kommen noch weitere Inhalte dazu – teilweise auch als DLC. Zudem können vom Spieler eigene Strecken kreiert werden, der eigene Spielkeller nach Belieben gestaltet werden, ebenso die gesammelten Fahrzeuge. Viel zu bieten, fast schon ein TrackMania-Konkurrent?

Frei von lahmen Enten

Zu Beginn geht es nicht ins Menü, sondern direkt ins Vergnügen. Mit einem kleinen Rennen werden die unkomplizierte Steuerung und einige Kernelemente wie der Booster und das Driften erklärt. Da jeder Konkurrent den Booster verwendet, bleibt es nicht beim simplen Antrieb des eigenen Hot-Wheels-Modells. Dieser ist allerdings auf zweierlei Arten umgesetzt worden: entweder schubweise oder als eine Art durchgehende Füllung. Es existiert zwar eine Regeneration im Laufe des Rennens, jedoch geschieht diese viel schneller durch das Driften. Ein leichter Druck auf die Bremse und schon schlittert das eigene Gefährt – hoffentlich elegant – durch die Kurve. Das macht die sonst öden Kurvenfahrten noch ein wenig spektakulärer.

Auf den Kursen oder Etappen, die zusammengebaut auf den sechs Umgebungen wie dem eigenen Keller, einer Garage oder einer Baustelle eines Wolkenkratzers stattfinden, gibt es einige Powerups auf den Böden, die den Booster aufladen, das Auto beschleunigen oder sogar einen kräftigen Vorwärtsschub geben können, aber auch verlangsamen können. Gerade bei den Loopings ist schnelles Vorankommen essenziell. „Gemeinheiten“ wie fehlende Barrieren, Spinnweben-spuckende Spinnen oder feuerspeiende Drachen dürfen ebenfalls nicht fehlen, um den Spieler mit etwas Pech ausbremsen zu können. Es geht auch gut und gerne kopfüber voran, dann helfen Magneten auf den Strecken, der Gravitationskraft entgegenzuwirken.

Selbst zu Beginn kann man seinen Booster mithilfe eines Burnouts aufladen, um einen kräftigen Vorwärtsschub zum Start zu bekommen. Einmal verinnerlicht macht man es dauernd und es ist praktisch. Selbst in das Driften kommt man relativ flott rein, auch wenn man mit etwas Erfahrung trotzdem gerne an der Streckenbegrenzung schleift und möglicherweise sein Fahrzeug unfreiwilligerweise um 180° dreht. Gerade zu Beginn stören die Gegner den Driftvorgang erheblich, man möchte sie zu gerne wegschieben, was gerne unfreiwilligerweise passiert. Die KI verhält sich realistisch, als würden mehrere Klone des Spielers gerade mitfahren. Also selbst die Gegner fahren nicht perfekt und knallen gerne gegen Begrenzungen.

Frei von Entdeckungssperren

Im „Hot Wheels City Rumble“ können verschiedene Rennen auf einer Karte gefahren werden, die weitere Aufträge – je nachdem, ob man die Voraussetzungen der Rennen erfüllen kann – freischalten, die eine Route zu weiteren offenbaren. In den allermeisten Fällen muss das Siegertreppchen bzw. bei den Zeitrennen die vorgegebene Zeit erreicht werden, bei den Bossrennen ist der erste Platz notwendig. Die Rekordjäger erfreuen sich an der schwierigen Unleashed-Zeit, die man ebenfalls bei den Zeitrennen erreichen kann. Als Belohnung winken Münzen, Zahnräder und Zubehörteile für die eigene Unterkunft, für das eigene Profil oder für die Strecken.

Doch die Karte verbirgt ein paar Geheimnisse, die auf dem Weg dahinter dummerweise auch noch Strecken verbergen. Bei manchen sind die Bedingungen auf dem ersten Blick nicht ganz ersichtlich und erfordern ein wenig Geschick, herauszufinden, was überhaupt zu tun ist. Wer auf diese Geheimnissucherei und auf die Karriere nicht unbedingt Lust hat, kann sich auch mit bis zu zwölf Spielern in Online-Multiplayer-Matches oder lokal zu zweit über einen Splitscreen-Modus gegenseitig messen. Oder ein schnelles (Zeit)rennen aus dem Menü alleine starten.

In der Sammlung warten auf den Spieler die bereits auswählbaren Hot-Wheels-Fahrzeuge aus den Kategorien „Gewöhnlich“, „Selten“, „Legendär“ und „Super Treasure Hunt“, die gegen Zahnräder aufgerüstet, für Zahnräder zerlegt oder für Münzen verkauft werden können. Mithilfe von Überraschungskisten, die man im Laufe des Karrieremodus bekommt oder für 500 Münzen selber welche kaufen kann, oder über zeitlich begrenzte Angebote, gibt es neue Fahrzeuge. So ist es nicht unüblich, auch ein Fahrzeug mehrfach in der Sammlung vorfinden zu können. Das Spiel erlaubt es zudem, den kleinen Autos eigene Lackierungen zu verpassen oder eine von anderen Spielern zu nutzen. Der Editor ist ein wenig fummelig in der Bedienung, erlaubt aber umfangreiche Optionen wie den Einsatz verschiedener Materialien, Formen und Logos auf der Karosserie sowie zahlreiche Farbkombinationen.

Frei von mangelhaftem Umfang

Wer irgendwann genug von den sonst abwechslungsreichen, aber sich teilweise wiederholenden Strecken hat, kann selbst tätig werden und im Track Builder auf einen der sechs Umgebungen seine eigene Etappe oder seinen eigenen Kurs bauen. Wer eine sehr aufregende Strecke bauen möchte, kommt nicht drum herum, im Karrieremodus ein paar der gesperrten Teile zu erspielen. Es hat seinen Grund, warum es keine festgelegten Kurven gibt: die Streckenteile lassen sich beliebig drehen, strecken und wenden. So ist der Flexibilität der eigenen Streckenabschnitte keinerlei Grenzen gesetzt. Und wer im eigenen Keller Veränderungen an der Dekoration vornimmt, sieht diese auch im Track Builder.

Grafisch gibt es an Hot Wheels Unleashed absolut nichts zu beanstanden, die Grafik ist hervorragend gelungen, besonders stechen die Modellautos ins Auge, die tatsächlich wie die richtigen Modellautos wirken mit ihren dezenten Kratzern auf den Plastikscheiben. Die Fahrzeuge besitzen allesamt unterschiedliche Motorengeräusche und im Hintergrund dudelt angenehme Musik, die allerdings starke Tonhöhenveränderungen aufweist, sobald der Booster zum Einsatz kommt. Das hört sich äußerst unangenehm an. Auf dem Testsystem lief das Spiel bei einer Auflösung von 2560×1440 Pixel flüssig und Frameaussetzer waren keine festzustellen.

Es lässt sich zudem der Schwierigkeitsgrad einstellen. Vier Stück von leicht bis extrem gibt es. Im Test kam es schon mal vor, dass sich der mittlere Schwierigkeitsgrad mal leichter, mal schwieriger angefühlt hat als er eigentlich sollte. Deshalb sollte dieser nicht unterschätzt werden. Außerdem ist es besser, das Spiel mit einem Controller zu spielen, da es sich damit wesentlich angenehmer navigieren und steuern lässt. Die Tastatursteuerung beim Rennen geht noch in Ordnung, dafür ist die Navigation durch die Menüs etwas fummelig gelöst, zumal man mit der Maus die Karte im Karrieremodus nicht erkunden kann.

Ein Befreiungsschlag?

Hot Wheels Unleashed ist eine äußerst spaßige Arcade-Raserei mit dem umfangreichen Sortiment der kleinen Spielzeugautos der Marke Mattel. Das Fahren durch die Strecken ist nicht nur dank der simplen Steuerung schnell verinnerlicht, es macht dank der abwechslungsreichen Elemente wie Loopings, Sprungschanzen oder Spezialelementen wie einer gigantischen Spinne einen Heidenspaß. Die Option, die Fahrzeuge selber zu lackieren oder die Strecken selber zu gestalten sind eine nette Dreingabe und machen aus dem Rennspiel trotz kleiner Schwächen hier und da ein sehr solides Komplettpaket.

Hot Wheels Unleashed ist seit dem 30. September 2021 für 49,99 € erhältlich. Die Collectors Edition für 69,99 € und die Ultimate Stunt Edition für 89,99 € enthalten neben der Vollversion weitere Fahrzeuge, Module für den Track Builder auch weitere Inhalte.

Testsystem

Betriebssystem:Microsoft Windows 10 Version 20H2
Prozessor:AMD Ryzen 7 3700X
Grafikkarte:NVIDIA GeForce RTX 3070 Founders Edition
Sound:Realtek ALC892
SSD:Crucial MX500 1TB
Arbeitsspeicher:32GB DDR4-3200

Daten zum Spiel

Titel:Hot Wheels Unleashed
Erscheinungsdatum:30. September 2021
Entwickler:Milestone
Publisher:Milestone
System:Windows, PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox Series X|S, Xbox One, Nintendo Switch

Kevin Puschak

Er schreibt seit 2017 über Videospiele, betreibt einen YouTube-Kanal für alte Software und Hardware, sammelt Technik und Spiele und spricht als Co-Moderator bei QUICK-LOAD. Kontaktiere ihn per Mail unter kevin.puschak@quick-save.de.

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