Die Sims • Das Leben virtualisiert

Ein erstelltes Familienleben simulieren – diese anfangs belächelte Idee ist schon 20 Jahre alt und hat inzwischen viele Fans für sich gewinnen können. Wir werfen einen Blick in das erste Sims-Spiel.


Die Vorderseite der Packung der deutschen Version (Quelle: Electronic Arts/Kevin Puschak)

Im Februar 2000 erschien in Deutschland von den Machern von Sim City erneut eine große Simulation. Diesmal wird keine eigene Stadt kreiert, sondern eine Familie, deren Leben simuliert wird. Der Spieler kann größtenteils selbstständig ins Geschehen eingreifen. Das Konzept war interessant, allerdings wurde bezweifelt, ob es überhaupt funktionieren könne. Doch die Zweifel verflogen schnell, die Presse war begeistert und lobte diese Einzigartigkeit.

In Die Sims kann der Spieler eine Nachbarschaft voller Familien erschaffen. Diese bestehen aus virtuellen Figuren, den namensgebenden Sims. Sie können entweder männlich, weiblich, hellhäutig, dunkelhäutig, erwachsen oder ein Kind sein. Eine Familie kann dabei aus maximal acht Sims bestehen. Jede Familie besitzt ein Grundstück, auf dem man einen Unterschlupf erstellen kann. Dabei kann der Spieler über das Schicksal der Sims, die er gerade steuert, selbst entscheiden. Sie können Freundschaften schließen, Karriereleitern hochklettern oder sogar heiraten und Kinder bekommen. Man kann ihr Leben aber auch – gerne unfreiwillig – zur Hölle machen. Ein genaues Spielziel gibt es nicht, es liegt in der Hand des Spielers, wann für ihn das Ziel seiner eigens kreierten Familie erreicht ist.

Neues Leben erschaffen

Ein gemütlicher Fernsehabend mit einem Standbild-Actionfilm (Quelle: Electronic Arts/Kevin Puschak)

Entweder stürzt man sich direkt ins Vergnügen und erstellt Sims oder lässt sich von einem bereits erstellten Haushalt samt voll ausgestattetem kleinen Haus in einem Tutorial die Spielmechaniken zeigen. Im Tutorial wird gezeigt, wie man das Spiel steuert, Aktionen durchführen und Möbel kaufen kann. Es ist für Einsteiger hilfreich, da es Inspirationen für die eigenen Sims und das eigene Haus gibt.

Bei „Einen Sim erstellen“ kann man eine der vorgefertigten Familien aussuchen oder eine eigene erstellen. Jede Familie erhält ein Budget von §20.000. Der Paragraph steht dabei für „Simoleon“, die Währung des Spiels. Für einen Sim stehen vorgefertigte Köpfe, Oberkörper- und Hosenkleidungsstücke zur Verfügung. Zudem kann man sich für ein Geschlecht, eine Hautfarbe und das Alter entscheiden. Für die Charaktereigenschaften gibt es 25 Punkte, die man auf fünf unterschiedliche Eigenschaften verteilen kann. Wer nicht genau weiß, wie man die Punkte genau verteilen soll, kann dies auch basierend auf ein Sternzeichen anpassen. Optional ist die Erstellung einer Biografie. Nachdem die Familie samt Familiennamen erstellt wurde, gibt es keinen Weg zurück, davor warnt auch das Spiel.

Die frisch erstellte Familie braucht nur noch ein Grundstück. Die Nachbarschaft, die einem in Die Sims geboten wird, ist recht überschaubar und bietet neben ein paar komplett freien Grundstücken auch welche mit einem fertigen Haus. Es existieren auch Grundstücke, die das anfängliche Budget übersteigen. Sollte es im Beruf bestens laufen und wurde ein wenig Geld angespart, könnte man über einen Umzug nachdenken.

Das Leben hält Einzug

Die Nachbarschaft. Neuankömmlinge können beim Haus mit dem Pfeil ein Tutorial spielen. (Quelle: Electronic Arts/Kevin Puschak)

Hat man sich für ein freies Grundstück entschieden, ist die Kasse noch reichlich gefüllt, aber das Geld muss für den Bau des Hauses herhalten. Dazu steht eine Vielzahl an Werkzeugen bereit. Begleitet von klassischer Musik zieht man Wände, stattet den Garten mit Büschen und Bäumen aus, verlegt den Teppichboden, baut Türen und Fenster ein, streicht die Wände oder baut eine Treppe zum zweiten Stockwerk. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Zumindest, bis das Geld ausgeht. Je schöner das Haus gestaltet wird, desto eher wird es den Sims gefallen.

Dann geht es an die Inneneinrichtung, dessen Vorgang von glücklicher schwungvoller Einkaufsmusik begleitet wird. Standardmäßig gibt es Kategorien wie Lampen, Sanitäreinrichtungen oder Elektrogeräte, man kann den Kaufmodus aber auch nach Räumen kategorisieren. So kann man sich Gegenstände für bestimmte Räume wie Küche oder Badezimmer anschauen. Eine unfassbar riesige Auswahl gibt es nicht und die Einrichtungsstücke haben nur eine einzige, vorgegebene Farbe. Manche Objekte verbessern die Bedürfnisse um einen bestimmten Faktor. Während ein billiger Stuhl vielleicht nur eine 2 beim Komfort hat, kann ein teurer Sessel schon einen Komfortwert von 8 haben. Die Werte variieren von 1 bis 9. Eine Ausnahme bildet die Kaffeemaschine, die den Harndrang erhöht.

Amüsant sind die teils kreativen Beschreibungen der Einrichtungsgegenstände, selbst die langweiligsten von ihnen, sind nett beschrieben. Sollte man sich ein Objekt nicht leisten können, wird der Preis rot dargestellt. Man kann durch den Kauf vieler Sachen nicht in die Miesen geraten. Geht man nun in den Live-Modus, wird sich die Familie einige der neuen Stücke im Haus und auf dem Grundstück ansehen. Entweder gefällt es ihnen, oder auch nicht.

Das Leben geht voran

Ein neuer Computer auf Knopfdruck. Die Beschreibungen der Gegenstände sind amüsant geschrieben. (Quelle: Electronic Arts/Kevin Puschak)

Im Live-Modus lässt sich nun in Echtzeit beobachten, was die Sims so treiben und wonach es denen gerade gelüstet. Standardmäßig ist der freie Wille aktiviert, weshalb sie eigenständig agieren. Der Spieler kann aber jederzeit ins Geschehen eingreifen und selbst ansagen, was welcher Sim nun machen soll. Anhand ihrer Bedürfnisse unten rechts auf dem Bildschirm kann man sehen, wann es Zeit wird, etwas zu tun, damit sich diese verbessern. Ist das „soziale Leben“ etwa im roten Bereich, wäre es ratsam, sich mit einem anderen Sim zu unterhalten. Ist die Hygiene im Keller, wird es Zeit für eine Dusche. Die Sims durchbrechen sogar die vierte Wand, indem sie in Richtung Spieler gucken, um ihn auf einen Mangel es bestimmten Bedürfnisses hinzuweisen. Wird dies unbeachtet gelassen, gibt es Konsequenzen. Es wird etwa auf den Boden gepinkelt oder auf dem Boden geschlafen. Diese Folgen sind aber noch harmlos.

Je nach Verteilung der Charaktereigenschaften verhält sich der Sim unterschiedlich. Gibt es bei „ordentlich“ viele Punkte, räumt der Sim nach dem Essen das Geschirr eigenständig weg. Unordentliche Sims spülen nicht einmal die Toilette. Manche können sich eher beim Computerspielen vergnügen, manche eher beim Schachspielen, manche beim Lesen eines Buches. Man kann aber auch einige Angewohnheiten beibringen, es dauert eben nur, bis dies automatisch klappt.

Die Sims können sprechen, sprechen aber eine Sprache, die keiner bekannten Sprache gleicht. Um die Gespräche dennoch ein wenig verstehen zu können, tauchen bei Unterhaltungen Sprechblasen mit Symbolen auf. Bei manchen Unterhaltungen findet man erst im Nachhinein heraus, um was es geht. Stimmlich gibt es kaum Unterschiede, es gibt nur eine Kinder- und zwei Erwachsenenstimmen. So kann man die Sims wegen ihrer Stimme allein nicht unterscheiden.

Ein Sim wird erstellt. (Quelle: Electronic Arts/Kevin Puschak)

Geht der Sim schlafen, macht dieser eine kurze Kreiselbewegung und ist in einem Pyjama eingekleidet. Beim Schlafen wird die Zeit beschleunigt, vorausgesetzt alle Sims im Haushalt schlafen. Gegenseitig stören kann sich beim Schlafen keiner, selbst wenn einer furchtbar laut schnarcht. Einzig Musik oder ein klingelndes Telefon im gleichen Raum kann einen Sim unfreiwillig zum Aufwachen zwingen. Nach dem Aufstehen ist ein Kleiderschrank notwendig, um wieder in die Alltagskleidung zu schlüpfen. Die Pyjama-Kleidung lässt sich nicht ändern.

Da die USK das Spiel ohne Altersbeschränkung freigegeben hat, wurden einige Zensuren vorgenommen, die man aber überwiegend im sanitären Bereich finden wird. Geht ein Sim unter die Dusche oder in die Badewanne, ist dieser nackt. Dadurch ist der Intimbereich des Sim verpixelt. Sobald dieser aber eine Toilette benutzt, ist er vollständig zensiert. Nebenbei bemerkt können die männlichen Sims auch im Stehen pinkeln gehen, wenn diese allerdings den Deckel oben lassen, klappen die weiblichen Sims diesen genervt nach unten.

Das Leben geht aufwärts

Es ist ja nicht so, als könne man seine Familie nicht „aufleveln“. Durch bestimmte Aktionen kann man etwa für den Job wichtige Fähigkeiten verbessern. Vor einem Spiegel wird das Charisma verbessert, mithilfe eines Buches kann man sich das Kochen beibringen, langes Schwimmen verbessert die Fitness. Einen Job kann der Sim sich über die täglich um 10 Uhr von einer jungen Zeitungsausträgerin angelieferten „Bildzeitung“ suchen, alternativ kann dieser das auch am Computer über das Internet. In jeder Branche, sei es Forschung, Post oder Polizei, fängt man immer klein an und verdient nicht viel. Allerdings hat der Sim an keinem Tag frei und muss jeden Tag zur Arbeit. Dadurch ist es ein schwierig, sowohl die Bedürfnisse zu befriedigen als auch die Fähigkeiten zu verbessern.

Über Sprechblasen kann man zumindest erahnen, über was sich gerade unterhalten wird. (Quelle: Electronic Arts/Kevin Puschak)

Im Laufe der Zeit sind sogar Familienfreunde nötig, um im Job weiterzukommen. Damit wird es noch schwieriger, einigen Sachen standzuhalten. Denn eine schlechte Laune ist schlecht für die Karriere, genauso aber auch der mangelnde Kontakt zu Familienfreunden. In allen Fällen gibt es einen umweltfreundlichen Aspekt: der Sim wird von einer Fahrgemeinschaft eine Stunde vor Dienstbeginn abgeholt, die allerdings auch pünktlich zum Feierabend vor der Haustür steht. Je nach Karrierestufe kommt entweder eine Schrottkarre oder eine Luxuslimousine.

Kinder wiederum haben keine Jobs, sie haben in dem Menüpunkt für die Karriere nur eine Zeugnisnote. Nur Lernen und gute Laune bringen bessere Noten. Diese werden von der Haustür aus eine Stunde vor Schulbeginn von einem typisch amerikanischen gelben Schulbus abgeholt und kommen pünktlich zu Schulschluss wieder zu Hause an.

Zweimal der Arbeit fernbleiben führt zur sofortigen Kündigung. Das kann schon dadurch erreicht werden, dass man der Fahrgemeinschaft fern bleibt oder unfreiwilligerweise verpasst. Da die Sims nicht krank werden können, kann man sich nicht krankmelden.

Hat man die Voraussetzungen wie gewünschte Fähigkeiten oder Familienfreunde erfüllt, winkt eine Beförderung. Die birgt andere Arbeitszeiten, ein wenig mehr Lohn pro Tag und einen einmaligen Bonus. Es kommt gerne vor, dass der Sim 15 Uhr heim kommt, die Beförderung allerdings Arbeitszeiten beinhaltet, die einer Nachtschicht ähneln. Dieser Sim muss am selben Tag wieder die Arbeit antreten. Das ist ein wenig unglücklich gelöst. Allgemein sind die fehlenden freien Tage unrealistisch.

Das Leben stoppt

Ein Mini-Ofen brennt. Dank Feuermelder kann die Feuerwehr den Brand schnell löschen. (Quelle: Electronic Arts/Kevin Puschak)

Den Sims können Missgeschicke passieren. Während es ihnen nichts ausmacht, einen Kochtopf mit der bloßen Hand am Boden anzufassen, der noch vor wenigen Minuten erhitzt wurde, geraten sie in Panik, wenn der Herd plötzlich in Flammen steht. Mit etwas Glück wurde an den Kauf eines Feueralarms gedacht, ansonsten muss die Feuerwehr eigenständig angerufen werden. Ein Feuerwehrmann löscht mit etwas Glück den Brand.

In der Nacht können Diebe ins Haus einbrechen und Gegenstände stehlen. Eine Alarmanlage kann die Polizei benachrichtigen, um den Dieb zu stoppen. Sonst kann auch in diesem Fall über das Telefon die Polizei angerufen werden, was allerdings nicht erfolgversprechend ist.

Hin und wieder kommen Briefträger und stecken Rechnungen in den Briefkasten. Wird die geforderte Summe nicht bezahlt, kommt ein Gerichtsvollzieher vorbei und beschlagnahmt Gegenstände. Leider auch lebenswichtige Sachen wie Bett oder Toilette.

Auch wenn das Spiel ohne Altersbeschränkung freigegeben ist: Die Sims können tatsächlich sterben. Sei es durch Verbrennen oder durch Verhungern, in jedem Fall kommt der Sensenmann vorbei und verwandelt den toten Sim in eine Urne oder einen Grabstein. Dieser kann dann nicht wieder gespielt werden. Es kann also passieren, keine auswählbaren Sims mehr zu haben. Es gibt eine vorgefertigte Familie in der Nachbarschaft mit dem Nachnamen „von Spinnweb“, die bei sich einen kleinen Friedhof hat. Nachts kann man beobachten, wie leicht grüne durchsichtige Gestalten herumlaufen.

Das Leben spielt verrückt

Überall Teller: ein dezentes Chaos (Quelle: Electronic Arts/Kevin Puschak)

Durch die strikte Rasteranordnung ist die Platzierung von Möbeln selbst bei groß wirkenden Räumen nicht unbedingt leicht. Was wie eine kleine Lücke aussehen kann, ist für die Sims leider ein Hindernis. Diese beschweren sich darüber, dass sie an der Stelle nicht vorbeikommen. Das Problem mit der Platzierung kann noch größer werden, wenn einige Vorgänge den Weg zu wichtigen Gegenständen versperren, etwa wenn jemand in die Badewanne springt, aber dafür den Weg zur Toilette versperrt, zu der ein anderer Sim unbedingt hin muss.

Man sollte sich nicht zu sehr auf den freien Willen der Sims verlassen, da sie gerne den vorgesehenen Tagesablauf komplett ignorieren. Etwa bleiben Kinder bis tief in die Nacht wach, um dann vollkommen schlecht gelaunt zur Schule zu fahren. Selbst einige sehr notwendige Bedürfnisse werden gerne nicht beachtet. In jedem Fall ist Eingreifen unabdingbar. Das kann bei einem sehr großen Haushalt durchaus unübersichtlich werden.

Wer es wagen möchte, direkt mit einem sehr großen Sims-Haushalt zu starten, hat die Einstiegshürde des kleinen Budgets von 20000 Simoleons. Man könnte damit zwar ein freies Grundstück ohne Haus kaufen, aber es wird schwierig sein, alle Sims zufriedenzustellen.

Feierabend und daheim. Die Fahrgemeinschaft fährt gleich weg. (Quelle: Electronic Arts/Kevin Puschak)

Die Sims können nicht altern, zumindest nicht wirklich. Es gibt Babys, die die Sims zeugen oder adoptieren können. Solange man sich um das Baby gut kümmert und das Jugendamt dieses nicht abholt, wird es zu einem Kleinkind. Aber das Kleinkind wird auf ewig ein Kleinkind bleiben. Erwachsene werden nicht zu Rentnern und können demnach nicht an Altersschwäche sterben. Es gibt nebenbei bemerkt auch Gegenstände, die ausschließlich von Kindern oder Erwachsenen genutzt werden können.

Es gibt zufällige Anrufe, gerne auch mitten in der Nacht. Astrologen sagen einem, was man in den nächsten Tagen tun sollte und was nicht. Oder bestimmte Ereignisse sind geschehen, die uns Geld bescheren. Dafür, dass es bei einem Anruf manchmal Geld geben kann, ist das durchaus ein Grund, einem Sim arbeitslos zu lassen. In einem Test, dem Sinn eine Stunde in Echtzeit bei höchster Geschwindigkeit seinem freien Willen zu überlassen, war die Laune mies, das Haus total vermüllt, viele wichtige Gegenstände gepfändet aber am Ende war – alleine durch die vielen Anrufe – mehr Geld auf dem Konto als zu Beginn.

It‘s your life

Luxus-Villa, fünf Kinder, High-End-Ausstattung – entweder durch viel Geduld oder durch Cheats. (Quelle: Electronic Arts/Kevin Puschak)

Das Leben kommt, das Leben geht, das Leben ist vollkommen zufällig, das Leben ist völlig verrückt. Die Sims ist nicht nur ein exzellenter Hausplaner dank der vielen Gestaltungsmöglichkeiten, sondern auch ein äußerst umfangreicher Lebenssimulator. Es gibt viel zum Ausprobieren, es gibt umfangreiche Interaktionen, auch wenn sich einige Routinen schnell wiederholen. Doch wer es mit seiner eigenen virtuellen Familie weit bringen will, muss den Alltag meistern. Und der wird garantiert nicht langweilig.

Kevin Puschak

Er schreibt seit 2017 über Videospiele, betreibt einen YouTube-Kanal für alte Software und Hardware, sammelt Technik und Spiele und spricht als Co-Moderator bei QUICK-LOAD. Kontaktiere ihn per Mail unter kevin.puschak@quick-save.de.

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