Umgestiegen: Von Android zu iOS • Teil 2

Relativ frisch, immer noch flott und selbst im Neuzustand für unter 300 € zu kriegen – wer denkt an solch einem Satz ausgerechnet an ein Smartphone von Apple? Das quasi massentaugliche iPhone SE hat einiges auf Lager. Ein Bericht von einem Android-Umsteiger.


Wenn man sich diese Seiten anschaut, wo sogenannte Deals von Webshops oder Lokalitäten in der Welt da draußen zusammengefasst werden, findet man immer das ein oder andere attraktive Angebot. Aufmerksam wurde ich auf ein Angebot von einem iPhone SE mit 16 GB Speicher für gerade mal ca. 230 €. Und ich konnte meinen Augen nicht trauen. Ein Smartphone von Apple für so wenig Geld, dabei ist ausgerechnet das Preis/Leistungsverhältnis dieser Geräte ziemlich miserabel.

Erstmal zum Wesentlichen: das iPhone SE, kurz Special Edition, wurde am 21. März 2016 vorgestellt, das ist eigentlich gar nicht mal so lange her. Technisch ist es nahezu identisch mit dem iPhone 6S, welches ein paar Monate zuvor erschien: ein Apple A9 Dual Core 64-Bit-Prozessor mit 2x 1,85 GHz, 2 GB Arbeitsspeicher, 12 Megapixel-Kamera mit 4K- und Slow-Motion-Videofunktion sowie 16 bzw. 64 GB Speicherplatz (später 32 bzw. 128 GB Speicherplatz). Der auffälligste Unterschied ist aber das Aussehen. Es sieht äußerlich nicht nur dem iPhone 5S ähnlich, es ist auch genauso groß. Apple spricht hierbei vom schnellsten 4“-Smartphone der Welt. Die Firma kam damit dem Wunsch einiger Kunden nach, ein aktuelles Smartphone mit aktueller Technik anzubieten, welches dennoch klein und kompakt ist. Denkt man an 2010, waren 4“ für ein Smartphone riesig, heutzutage sind 5,5“ quasi Standard.

Ich als langjähriger Android-Nutzer wollte nach diesem Fund unbedingt in die Welt von iOS, dem Betriebssystem der iPhones, eintauchen. Mein Glück erreichte mich kurz vor dem Jahreswechsel 2017/2018, als ich ein iPhone SE mit 32 GB Speicherplatz für 280 € ergattern konnte. So gut wie neu und mit Schutzhülle und Displayschutzfolie. Bei der Ankunft wurde ich schon mal mit einem Problem konfrontiert: das iPhone benötigt eine nano-SIM-Karte, wo sich die Größe nur auf den Chip beschränkt. Das zwang mich zur Bestellung einer Ersatz-SIM-Karte, da es bei meiner derzeit genutzten Karte keine weiteren Ausstanzungen gab. Und ohne SIM-Karte lässt sich das iPhone nicht einrichten, wie ich nach der Spracheinstellung und der Einstellung des WLAN-Zugangs feststellen musste.

Die recht schlanke Verpackung kommt mit dem Smartphone, ein paar winzig kleinen Dokumenten, einem Werkzeug zum Öffnen des SIM-Kartenschachts, den EarPods und dem Netzteil mit Lightning-USB-Kabel. Auf engstem Raum ist alles recht gut verpackt, da kommt beim Weiterverkauf kein Stress auf. Das iPhone an sich fühlt sich verarbeitungstechnisch fantastisch an, dafür verantwortlich ist wohl die Rückseite aus Aluminium. Doch die gilt nicht gerade als kratzfest, weshalb ich sicherheitshalber eine Schutzhülle angebracht habe. Ich besaß damals einen iPod touch, wo die Rückseite innerhalb kürzester Zeit sehr viele Kratzer hatte. So schön es auch ist, man sollte vorsichtig damit umgehen. Ein dezentes Klackern im Bereich der Kameralinse macht mich allerdings dezent misstrauisch, ist aber laut einigen Berichten im Internet normal.

Knöpfe hat das iPhone mehr als genug: Einschalttaste oben, Lautstärketasten an der linken Seite und die Hometaste in der Mitte des Displays. Interessanter ist dagegen der Schalter über den Lautstärketasten, damit kann man die Töne abstellen, damit das Handy nur vibriert.

Die Einrichtung geht flott und einfach voran, natürlich muss man bei einigen Analyse- und Datenschutzsachen aufpassen, was man wählt. Mit der App Move to iOS lassen sich einige Inhalte wie Fotos oder Konten von einem Android-Gerät übertragen, was ich auch getan habe und problemlos vonstattenging. Die App hat im Anschluss die iOS-Versionen der auf dem Android-Gerät installierten Apps rausgesucht und gleich heruntergeladen. Bei einigen klappte das hervorragend, bei einigen musste ich etwas nachhelfen oder Alternativen suchen. Problematischer wird da lediglich der Umzug der Chatverläufe und Dateien von WhatsApp. Es gibt zwar eine Backup-Funktion, jedoch sind die bei beiden Versionen völlig unterschiedlich und inkompatibel zueinander. Es gibt zwar Lösungen im Internet, jedoch zwingen die einen zum Kauf der dafür zuständigen Software, die mir mit $29.95 für einen einmaligen Vorgang zu teuer ist. Und die Entwickler bieten keine vernünftige Lösung dafür an.

Dass iOS bei weitem nicht so “entwicklerfreundlich” ist wie sein Konkurrent, merkt man an einigen Stellen. Ganz klar ist: man muss auf einen individuell konfigurierbaren Homescreen verzichten, man hat direkt ein Menü mit den installierten Apps vor sich, die sich beliebig positionieren und anordnen lassen. Ich kann damit durchaus leben. Auch die Einstellungen wirken erst umfangreich, sind dann aber verschachtelter und schwerer erreichbar als bei Android. So lassen sich die gespeicherten Netzwerke nicht einsehen und die Einstellungen für Mobilfunknetz lassen sich nur einstellen, wenn es auch aktiviert wurde. Alles unnötige Hürden. Umfangreich hingegen wirken die Variationen der Benachrichtigung, diese kann mit einem aufklappenden Balken oben oder nur im Lockscreen angezeigt werden. Praktisch sind die Quick Settings, die man mit einem Wisch von unten nach oben einsehen kann. Hier kann man das WLAN einschalten, die Datennutzung aktivieren und so weiter.

Praktisch finde ich auch die Touch ID. Die Hometaste unten in der Mitte ist gleichzeitig ein Fingerabdrucksensor. Hiermit lassen sich in einer etwas langen Prozedur die Finger registrieren, es gehen beliebig viele. Laut Apple wurde eine ältere Version der Touch ID eingebaut, die nur minimal langsamer sein soll, was für mich ohnehin nicht groß von Bedeutung ist, da es mein erstes Apple-Gerät ist. Hat man dies nun eingerichtet, kann man nun den Bildschirm entsperren oder Käufe im App Store mit einem Fingerdruck bestätigen auf der Hometaste. Ich habe einen Kollegen darum gebeten, mit seinem Finger das iPhone zu entsperren, was konsequenterweise nicht geklappt hat.

Insgesamt muss ich zur Performance sagen, dass sich iOS trotz einer Dual-Core-CPU und 2 GB Arbeitsspeicher butterweich bedienen lässt und sich an keiner Stelle überfordert fühlt. Allgemein starten die Apps recht flott und die Bedienung verläuft gar problemlos und ohne lästiges Ruckeln. Selbst anspruchsvolle Spiele wie Real Racing 3 laufen zwar nicht 100-prozentig flüssig, dennoch hat man alles andere als eine Slideshow vor sich. So manche Android-Systeme laufen da an einigen Stellen nicht so rund, selbst wenn die Technik auf dem Papier stärker klingt. Das mag eine subjektive Meinung sein, dennoch fühlt sich iOS insgesamt optimierter an, was nicht verwunderlich ist, weil es exklusiv auf Apple-Smartphones installiert ist.

Von der Kamera bin ich sehr angetan. 12 Megapixel mit einer Auflösung von 4032×3024 Pixel. Besonders im Tageslicht haben die Fotos tolle Farben und eine angenehme Schärfe. Aber auch in dunklen Umgebungen ist die Kamera durchaus in der Lage, für eine Smartphone-Kamera noch recht ansehnliche Bilder zu schießen. Auch wenn man auf den Bildstabilisator vom iPhone 6S verzichten muss. Erwähnenswert ist auch die Videofunktion, die sogar 4K-Videos bei 30fps oder 1080p-Videos bei 60fps erlaubt. Auch Zeitlupen-Aufnahmen sind möglich.

Irgendwann muss auch dieses Smartphone, was sich bis hierher wie ein Wunderwerk anhört, an die Steckdose. Zum Aufladen stehen ein Lightning-USB-Kabel und ein Netzadapter mit USB-Anschluss zur Verfügung. Wenn man gelegentliche Arbeiten am Smartphone verrichtet wie ab und an Mails lesen, Benachrichtigungen ansehen oder das ein oder andere Spielchen spielt, kommt man ca. 4 Tage damit aus, was für ein heutiges Smartphone schon fast ein hervorragender Wert ist. Mit dem Netzadapter ist das iPhone in ca. 2h30min von 5 auf 100% vollgeladen. Ein kleiner netter Nebeneffekt vom Kabel: man kann jede Seite vom Anschluss zum Anschließen verwenden, jede Seite ist richtig rum. Anders als bei älteren USB-Anschlüssen. Nur ist hier auch alles Apple-exklusiv.

Wie sieht es denn mit der Kommunikation aus? Es heißt ja nicht für umsonst “iPhone”, es ist schließlich ein Telefon. Sobald eine LTE-Verbindung da ist, ist die Gesprächsqualität sehr gut, auch der Gesprächspartner konnte mich tadellos verstehen. Welche Verbindungsqualität man aktuell hat, sieht man nur mit deaktiviertem WLAN, was ein bisschen schade ist. WLAN ist ein gutes Stichwort, selbst da habe ich bisher keine plötzlichen Verbindungsabbrüche gehabt wie beim Lenovo Moto G4 mit Android, gefühlt öffnen sich die Internetseiten sogar viel schneller, obwohl sich die Internetleitung während des Telefonwechsels nicht verändert hat (VDSL 50 von der Telekom, WLAN über FRITZ!Box 7490).

Kleinere Negativpunkte muss ich allerdings auch vergeben, so misslingt gerne die Kommunikation zwischen dem iPhone und der Pebble-Smartwatch gerne mal, was bei Android sonst nie der Fall war. Die Vibration lässt sich nur ein- oder ausschalten, aber nicht in der Stärke einstellen. Für meinen Geschmack ist die nämlich zu stark. Die Symbole auf dem Homescreen lassen sich etwas fummelig einstellen und der App Store ist etwas unübersichtlich. Sowohl die Anordnung der Symbole als auch das Herunterladen von Apps im App Store war mal bei iTunes auf dem Computer möglich, seit 2017 geht das allerdings nicht mehr, aus meiner Sicht ein großer Negativpunkt. Die sonstigen Negativpunkte sind Kleinigkeiten und eher zu vernachlässigen, jeder hat zum Beispiel eine andere Meinung über das 4“-Display in der heutigen Zeit, wobei man sich dran gewöhnen kann.

Trotz kleinerem Display, trotz Apple, trotz der auf dem Papier niedrigeren Leistung, ich habe das iPhone SE liebgewonnen. An das schmale 4“-Display gewöhnt man sich schnell, selbst wenn es beim Surfen im Internet dezent unbequemer ist. Die Performance ist durch die Anpassung des Systems exakt auf das Smartphone nahezu hervorragend, nichts ruckelt, nichts braucht zu lange, es ist schlichtweg genial. Von Android vermisse ich nur wenige Sachen, was aber nur Kleinigkeiten sind, für einige Entwickler wäre die Geschlossenheit von iOS die reinste Katastrophe, mich stört das aber kaum. Mit unter 300 € im Neuzustand ist dieses iPhone im Angesicht der Details ein Preiskracher und ich kann den Kauf durchaus empfehlen.

(Trotz aller Kritik gegenüber der neuen iOS-Versionen, wo die Performance sämtlicher iPhone-Modelle, u.a. auch vom SE, eingeschränkt wurde, um den Alterungsprozess des Akkus zu verlangsamen, konnte ich keine Einbußen bei der Geschwindigkeit bemerken. Das kann aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass das Testexemplar ziemlich neu war.)

Kevin

betreibt einen YouTube-Kanal für alte Spiele, Software und Hardware, sammelt Technik und Spiele und spricht als Co-Moderator bei QUICK-LOAD.

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