Need for Speed II • Mehr Geschwindigkeit für weniger

Electronic Arts packt in den zweiten Teil von Need for Speed teils exotische Supersportwagen, verzichtet aber hier und da auf ein paar Kleinigkeiten. Wie ist der Bedarf an Geschwindigkeit in Part Zwei?


Die Vorderseite der Packung der deutschen Version

1994 durfte man sich in The Need for Speed auf sieben Strecken mit acht Sportkarossen wie Porsche 911, Toyota Supra oder Lamborghini Diablo austoben. Und das mit einer anspruchsvollen Fahrphysik, toller Grafik und jeder Menge Adrenalin beim Spielen. Während es 1996 eine Special Edition gab, veröffentlichte Electronic Arts im April 1997 den Nachfolger. Ohne Artikel davor, aber mit einer römischen Zwei am Ende.

Im schicken Gewand darf dieses Mal in einem der acht bis neun Supersportwagen Platz genommen werden, um diese rund um die Welt auf sieben Kursen zu bewegen. Bei der Auswahl der Fahrzeuge beschränkte man sich in Teil II auf Prototypen oder sündhaft teure Modelle, die sich sehr selten auf öffentlichen Straßen blicken ließen. Wer wollte nicht schon einmal virtuell mit einem Ford GT90 oder einem McLaren F1 durch die Gegend brausen? Need for Speed II machte es möglich.

„Die beste Runde!“

War das Menü im Vorgänger noch etwas durcheinander geraten, ist es jetzt etwas aufgeräumter und moderner gestaltet, während die Technomusik im Hintergrund die Subwoofer ordentlich arbeiten lässt. Hier lassen sich die verschiedenen Modi wie Einzelrennen, Meisterschaft, Knockout sowie die Mehrspieler-Optionen wie geteilter Bildschirm, Netzwerk und Modem auswählen. An der rechten Seite sind die derzeitigen Einstellungen des Modus, der Strecke, des Fahrzeugs und der Gegner anhand von Symbolen erkennbar.

Wie im Vorgänger erklärt auch im zweiten Teil von Need for Speed Egon Hoegen, bekannt als Off-Sprecher der WDR-Informationssendung Der 7. Sinn, detailliert die Fahrzeuge und Strecken. Zumindest zu den Fahrzeugen überzeugt das Spiel mit umfangreichem Infomaterial wie Spezifikationen, Bilder, Geschichte der jeweiligen Automarke und ein Präsentationsvideo des jeweiligen Fahrzeugs. Lediglich bei den Strecken hat man diesmal mit Informationen ein wenig gegeizt, hier gibt es nur noch die Länge, das Land und den Schwierigkeitsgrad zu sehen. Zumal man hier auf Etappenstrecken verzichtet hat.

Das Rennen beginnt mit einer spektakulären Kamerafahrt, die bei jeder Strecke anders ist. Hier muss allerdings nicht wie im ersten Teil selbst im Automatikmodus manuell hochgeschaltet werden, simples Beschleunigen reicht aus. Das Feld taucht diesmal in unterschiedlichen Farben auf, denn man kann dem eigenen Gefährt eine andere als die im Foto gezeigte Farbe verpassen. Zwar nur festgelegte, aber immerhin.

„Neuer Rundenrekord!“

In der Meisterschaft müssen alle Rundkurse mit insgesamt elf Gegnern und vier Runden pro Strecke absolviert werden. Dabei müssen nicht alle Rennen mit dem ersten Platz belegt werden, dafür sorgt ein Punktesystem. Für die Erstplatzierung gibt es 30 Punkte, der Letztplatzierte kriegt keine Punkte. Wenn die Meisterschaft erfolgreich abgeschlossen wird, belohnt das Spiel einen mit dem nirgends auf der Packung erwähnten, aber in einigen Videos sichtbaren Ford Indigo.

Der Knockout-Modus ist in diesem Teil neu hinzugekommen. Bei allen Kursen müssen nur zwei Runden gefahren werden, allerdings scheidet der Letztplatzierte am Ende jedes Rennens aus, sodass bei der letzten Strecke – die auf der Packung erwähnten „Monolithic Studios“ – nur ein Gegner übrig bleibt, sofern man die letzten Knockout-Kämpfe „überlebt“ hat. Der imaginäre Mechaniker wird einem eh nicht den Hals umdrehen, denn ein Schadensmodell bietet Need for Speed II ebenfalls nicht.

Während es in der Meisterschaft und im Knockout-Modus keine Verkehrsfahrzeuge gibt, lassen diese sich im Einzelrennen aktivieren, sofern man entweder alleine oder gegen einen einzigen Kontrahenten antreten möchte. Alle Rennen bis auf Proving Grounds finden auf öffentlichen Straßen statt, doch die Polizei hatte in diesem Teil Angst gehabt, sich präsent zu zeigen. So wird man lediglich vom Straßenverkehr, von der Konkurrenz oder von plötzlich auftauchenden Gegenständen auf der Strecke aufgehalten.

„Sie sind unter den zehn Besten auf diesem Kurs!“

Die Gegner-KI zeigt sich von seiner hartnäckigen Seite. Sie kann sich nie so recht für eine bestimmte Seite der Straße entscheiden, schieben gerne das Spielerfahrzeug zur Seite oder stürzen sich selbst ins Verderben, indem sie mit einer Wand kollidieren und sich mehrfach drehen wie in einer typischen Szene aus Alarm für Cobra 11. Einen einstellbaren Schwierigkeitsgrad sucht man vergebens. Eine kleine Hilfe könnte die Einstellung des Stils bewirken.

Need for Speed II bietet mit „Arcade“ und „Simulation“ zwei Fahrstile an. „Arcade“ bewirkt ein etwas vereinfachtes Handling, um die engen Kurven besser zu meistern, und das Schleudern um Kurven wird hier eher ausgelöst. Das ist mitunter etwas gewöhnungsbedürftig und passiert gerne ungewollt. Zudem wird das Fahrzeug beim Zurücksetzen etwas beschleunigt, um nach einem Unfall schneller in Fahrt zu kommen. „Simulation“ stellt die etwas realistischere Physik dar und kann mitunter etwas herausfordernder werden. Hier wird nach einem Unfall das Fahrzeug jedoch nicht vorher beschleunigt.

Zudem lassen sich – wenn auch nicht außerhalb der Einzelrennen – mit dem Stil „Simulation“ die Fahreigenschaften der Supersportwagen grob modifizieren. Etwa wo die Bremseinwirkung verstärkt werden und wie die Getriebeübersetzung aussehen soll. Gerade in den beiden anderen Modi wären diese Einstellungen optimal gewesen, um gegen die harte und gnadenlose Konkurrenz anzukommen. So haben nur experimentierfreudige Einzelrennen-Spieler etwas davon.

Im Geschwindigkeitsrausch

Wie bereits erwähnt, beschränkt sich die Streckenauswahl diesmal auf Rundkurse. Auf der simpelsten Strecke „Proving Grounds“ in Norwegen braucht man wegen den sehr weitläufigen Kurven nicht einmal zu bremsen. Die folgenden Strecken werden zunehmend schwieriger. So gibt es mit den „Mystic Peaks“ eine anspruchsvolle Strecke in Nepal, die durch schneebedeckte Berge und sehr viele scharfe Kurven führt. Nicht gerade eine geeignete Strecke für sündhaft teure Wagen, die es teilweise nicht einmal zu kaufen gibt. Die Fahrphysik, die die Fahrzeuge stark untersteuern lässt, macht die Streckenbewältigung nicht viel besser.

Die Strecken bieten manchmal sehenswürdige Sachen an der Seite. Etwa fährt am „Pacific Spirit“ eine Hochbahn über der Straße, es gibt einen Vergnügungspark im „North Country“ und die „Monolithic Studios“ wirken wie eine Studiotour durch sämtliche Hollywood-Filmproduktionen. Einige Strecken bieten Abkürzungen an, die aber aufgrund der Fahrphysik mit Vorsicht zu genießen sind und gerne zum Nachteil bei wichtigen Rennen werden können. Auf Variationen muss weiterhin verzichtet werden, die Strecken können weder in rückwärtiger Richtung noch spiegelverkehrt gefahren werden.

Dass die Strecken teilweise recht ungeeignet erscheinen für die teuren bzw. teils unbezahlbaren Karossen, macht sich vor allen Dingen an einigen Erhöhungen oder Absenkungen bemerkbar. Diese können nur mit relativ niedriger Geschwindigkeit passiert werden. Dabei ist es recht seltsam, dass selbst die Gegner-KI es fast schon ohne Blessuren durch diese eigenartigen Passagen schafft. Nichtsdestotrotz macht es dennoch Spaß, an einigen Stellen mit über 300 Sachen für einen kleinen Moment schwerelos zu sein.

Wie bereits erwähnt beschränkt sich die Fahrzeugauswahl teils auf enorm teure Modelle, teils auf unbezahlbare Prototypen. Mit dem McLaren F1 gibt es das schnellste Modell, mit dem sich besonders die Meisterschaft und der Knockout-Modus bestens bewältigen lassen. Doch auch mit dem Ford GT90, dem Lamborghini Italdesign Calà+, dem Jaguar XJ220, dem Isdera Commendatore 112i, dem Lotus GT1 und dem Ferrari F50 kann sich die Auswahl sehen lassen. Einzig mit dem Lotus Esprit hat sich ein nicht ganz so teurer Sportwagen ins Portfolio geschlichen.

2 Good 2 Miss

Jede Menge Wissenswertes zu den Fahrzeugen wird auch im zweiten Teil geboten.

Grafisch hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht außerordentlich viel geändert. Die Fahrzeuge wirken ein wenig detaillierter, allerdings schaut die Landschaft optisch fast schon so ähnlich aus wie zwei bis drei Jahre zuvor. Nach wie vor wird eine schicke Innenraumperspektive angeboten, wo sich allerdings bei einigen Modellen die Zahlen schlecht ablesen lassen. Verbessert wurde die Außenperspektive, die sich nicht mehr so seltsam bewegt.

Musikalisch wurde hier mit einer Mischung aus Heavy Metal und Trance eine zeitlich passende und akustisch angenehme Hintergrundbeschallung ausgewählt, die es schon bei der Special Edition von The Need for Speed auch endlich ins Spielgeschehen geschafft hat. Jede Strecke bietet zwei Lieder an, die beim Anschauen der Wiederholung oder beim erneuten Starten der Strecke gewechselt werden. Neu ist allerdings der Punkt „Interaktive Musik“. Hierbei wird beim Passieren einer bestimmten Sektion der Strecke ein bestimmtes Segment der Hintergrundmusik abgespielt. Wird ein Unfall gebaut, wird die Musik dementsprechend ruhiger. Ein interessantes Feature, auch wenn es nicht durchgehend toll klingt.

Technisch lief das Spiel auf dem Testsystem überwiegend flüssig und ohne Abstürze. Wer kurz nach Release einen Intel Pentium II leisten konnte, hatte scheinbar die besseren Karten. Dennoch war die Performance nicht durchgehend bei 60 Bildern die Sekunde. Einmal tauchte ein Bluescreen auf, weil der CD-Zugriff fehlschlug, das war allerdings mehr ein Problem des Systems, weniger ein Problem des Spiels. Mehr als spielbar war es dennoch.

Schalt‘ mal ‘nen Gang runter!

Ständig nur am Rutschen…so auch der Kollege im Ferrari F50.

Statt Sportkarossen warten auf den Spieler in Need for Speed II edle Supersportwagen wie McLaren F1 oder Ford GT90. Die Idee, teils unbezahlbare Fahrzeuge virtuell durch die Pisten zu jagen, ist an sich ziemlich gut. Die gewöhnungsbedürftige Fahrphysik macht die Bewältigung der teils anspruchsvollen und für diese Fahrzeugklasse eher ungeeigneten Streckenverläufe allerdings etwas schwierig. So unfassbar realistisch möchte das 97er-Need-for-Speed nicht sein, weshalb hier eher die Action-Rennfahrer auf ihre Kosten kommen, die bei der exzellenten Präsentation und tollen Hintergrundbeschallung bedenkenlos zugreifen können.


Testsystem

Betriebssystem:Microsoft Windows 98 SE (Second Edition)
Prozessor:Intel Pentium II 350
Grafikkarte:3dfx Voodoo 3 3000 AGP
Soundkarte:Creative SoundBlaster Live! Value CT4670
Festplatte:Samsung SpinPoint SV4084H (40GB)
Arbeitsspeicher:256 MB SDRAM

Daten zum Spiel

Titel:Need for Speed II
Erscheinungsdatum:25. April 1997
Entwickler:Electronic Arts Canada, EA Seattle
Publisher:Electronic Arts
System:PlayStation, Windows
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