Deliver or Die! • Die riskante Express-Lieferung

In heutigen Zeiten sollen Bestellungen am besten unmittelbar nach einem Mausklick daheim ankommen. In Deliver or Die! gibt es einen guten Grund, warum die Lieferung möglichst schnell ankommen sollte.


Barty Games hat mit Deliver or Die! ein Spiel im Angebot, welches Dinge aus der Vergangenheit mit der Gegenwart kombiniert. Es vermischt die Grafiken eines alten Rennspiels in der Top-Down-Perspektive mit den immer höher werdenden Ansprüchen an Logistikunternehmen, die Bestellungen aus dem Internet am besten in wenigen Stunden zum Kunden bringen sollen.

Das Spiel bietet keinerlei Level. Die einzigen Belohnungen sind neue Fahrzeuge beim Erreichen bestimmter Punktzahlen. Das ganze Geschehen spielt sich auf einer Karte ab, die eine japanische Stadt mit rechteckigen Gebäudeblöcken darstellt. Auf den vertikal angeordneten Straßen fließt Verkehr, jedoch meidet dieser die Straßen im horizontalen Bereich. Aufgabe ist es, innerhalb von 15 Sekunden von Punkt A nach Punkt B zu gelangen.

Same-Hour-Delivery

Im Tutorial darf man sich ohne Druck und vor allen Dingen ohne Bombe erstmal austoben.

Deliver or Die! beginnt beim ersten Start mit einem Tutorial, die nur hier die Möglichkeit erlaubt, den kleinen Bereich des Stadtteils ohne Zeitdruck und ohne Aufgaben zu erkunden. Im Verlauf darf man eine Lieferung ausführen und das ohne eine zeitgeschaltete Bombe am Fahrzeug, so wie es die Beschreibung des Spiels nennt. Nach dem Tutorial gibt es keine Erkundung mehr, da hilft nur noch eine Neuinstallation, um das nochmals zu ermöglichen.

Neue Spiele beginnen immer an der selben Stelle einer Querstraße an einem Bürgersteig. Da kann man auch stehen, denn auf der Karte gibt es keinerlei Personen, die sich darüber beschweren würden, dass sich ein Fahrzeug ausgerechnet da hingestellt hat. Oder wie in älteren Grand-Theft-Auto-Teilen einfach über das Fahrzeug springen würden. Ein gelber Pfeil zeigt den Beginn einer Auslieferungsroute an. Was genau ausgeliefert wird, verrät das Spiel gar nicht. Ist der Punkt erreicht, zeigt ein grüner Pfeil das Ziel an.

Für jede Auslieferung hat man ca. 15 Sekunden Zeit, es sei denn, man erhält ein paar Sekunden extra für eine vorherige Auslieferung. Als Hindernisse bietet das Spiel nicht nur den fließenden Verkehr auf der Hauptstraße, sondern – sicherlich unfreiwilligerweise – einige unsichtbare Wände und Texturen, an denen man eigentlich nicht hängen bleiben sollte. Insbesondere die Straßenlampen scheinen breiter zu sein als gedacht. Zwischen den Gebäuden existieren glücklicherweise ein paar Abkürzungen, die man nutzen kann, sofern diese ins Gedächtnis gespeichert wurden.

Zustellung nur, wenn der Fahrer es packt

Schnell schnell, der nächste Auftrag wartet.

Es ist gar nicht so einfach, die Routen innerhalb des knapp gewählten Zeitlimits einzuhalten. Erfreulicherweise sind es immer die selben Routen, die allerdings in unterschiedlicher Reihenfolge anfangen. Das hat im laufenden Spiel den Vorteil, dass man ein Gefühl dafür bekommt, wie man bei einer Auslieferung von A nach B zu fahren hat. Es gibt allerdings Routen, die so weit westlich beginnen und sehr weit östlich enden, wofür die Zeit kaum ausreicht. Das ist nicht nur unfair, sondern frustet ordentlich. Da helfen selbst die auf der Karte zufällig verteilten Powerups nicht viel.

Die Powerups können etwa bewirken, dass es einen Verkehrsstau gibt, dabei gibt es auf der Hauptstraße vorübergehend keinen Verkehr mehr. Sollte man Fahrzeuge angerammt haben, verschwinden die nicht von der Stelle. Es sei denn, man sammelt ein Powerup ein. Das einzig halbwegs hilfreiche Powerup setzt die übrige Zeit auf 15 Sekunden zurück. In der toten Stadt fallen sie nicht wirklich auf.

Eine gescheiterte Mission endet mit einem Explosionsgeräusch, selbst wenn das Fahrzeug optisch vollkommen intakt bleibt. Für jede erfolgte Auslieferung gibt es Punkte. Bei dem Schwierigkeitsgrad wird es fast schon zur Mammutaufgabe, eines der auswählbaren Fahrzeuge freizuschalten. Mit 15 Punkten gibt es einen grauen Mittelklassewagen, mit 25 einen Polizeiwagen, mit 50 einen Sportwagen und mit 100 einen Pickup. Zum Zeitpunkt des Tests hatte laut dem globalen Leaderboard nur einer das Polizeiauto laut seiner Punktzahl freischalten können. Die Steuerung des 15-Punkte-Wagens ist dieselbe wie das Startfahrzeug: träge und mit großem Wendekreis. Scheinbar gibt es nur optische Unterschiede.

Der große Zeitdruck

Im Testlauf waren so niedrige Punktzahlen üblich.

Optisch kann sich der kleine Stadtteil sehen lassen. Ein paar Flaggen und Bäume bewegen sich und der Oldschool-Touch der Grafik ist nett anzusehen. Beim Einlenken sieht man beim eigenen Auto die Räder und selbst Bremsstreifen sind beim Kurvenschlittern sichtbar. Akustisch gibt es dagegen nicht viel zu bieten. Lediglich die immer gleiche Hintergrundmusik, ein Geräusch beim Rammen eines Verkehrsfahrzeugs und die Explosion beim Ablauf des Zeitlimits gibt es in Sachen „Akustik“ zu bieten. Selbst der Trailer bot eine Stadtatmosphäre an, die man durchaus hätte einbauen können. Und sollten die Autos elektrisch vorangetrieben werden, hätten die selbst in dem Fall Geräusche machen können.

Fans der Controllersteuerung werden ebenfalls enttäuscht sein, denn das Spiel lässt sich nur mit einer fest definierten Tastatursteuerung kontrollieren. Und nicht jeder mag es, Rennspiele mit WASD zu spielen (siehe unser Chefredakteur). Einzig die Musik und der Vollbildmodus lässt sich einstellen, sonst geizt das Spiel sehr mit Einstellungsmöglichkeiten. Immerhin erlaubt das Spiel, dem Macher Bugs mitzuteilen.

Die Systemvoraussetzungen von Deliver or Die! sind dagegen erfreulich niedrig gehalten. Da sollte es nicht verwundern, dass es auf dem Testsystem bei einer Auflösung von 2560×1440 Pixeln flüssig lief und es zu keinem Zeitpunkt zu irgendwelchen Framedrops oder Abstürzen kam. Ebenfalls niedrig gehalten wurde der Preis des Indie-Titels: 0,79 Euro. Nur ein paar Sammelkarten bei Steam verkaufen und mit etwas Glück kann das Spiel in der eigenen Bibliothek landen – vorausgesetzt, nach den Kritikpunkten möchte man es holen.

Please Mr. Postman

Ob Barty Games unter ähnlichen Zeitdruck stand wie der Spieler in Deliver or Die!, bleibt ein Rätsel. Absolute Profispieler, die in einem harten Zeitlimit und nervigen unsichtbaren Texturen eine Herausforderung suchen, haben in diesem äußerst günstigen, hübsch anzusehenden Indie-Titel ihr Spiel gefunden. Alle anderen sollten auf Optimierungen in einigen Bereichen warten, damit aus diesem gefährlichen Liefertrip keine frustrierende Enttäuschung wird.


Testsystem

Betriebssystem:Microsoft Windows 10 Version 20H2
Prozessor:AMD Ryzen 7 3700X
Grafikkarte:NVIDIA GeForce RTX 3070 Founders Edition
Sound:Realtek ALC892
SSD:Crucial MX500 1TB
Arbeitsspeicher:32GB DDR4-3200

Daten zum Spiel

Titel:Deliver or Die!
Erscheinungsdatum:25. Februar 2022
Entwickler:Barty Games
Publisher:Barty Games
System:Windows, macOS
chevron_left
chevron_right

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentar
Name
E-Mail
Website