MGT 2-in-1-Retro-Spielekonsole • Ein Handheld für zwei

Mit 200 Spielen und 8-Bit-Technologie will die Handheld-Konsole aus dem Versandhaus ein Retro-Feeling der 80er- und 90er-Jahre vermitteln. Ob das tatsächlich funktionieren kann, haben wir uns angeschaut.


Unter der Marke MGT vertreibt das baden-württembergische Versandhaus Pearl die sogenannte 2-in-1-Retro-Spielekonsole. Sie umfasst 200 Spiele und soll mit einer 8-Bit-Technologie ein Retro-Feeling der 80er- und 90er-Jahre wecken. Zu einem Katalogpreis von knapp 20 Euro zuzüglich Versandkosten bekommen Interessierte den Handheld nach Hause geschickt.

Zum Lieferumfang zählt die Konsole selbst, ein Videokabel zum Anschließen einen Fernseher sowie ein zweites Gamepad, dessen Form an einen NES-Controller erinnert. Er hat aber zwei zusätzliche Tasten. Batterien sind ab Werk nicht enthalten. Zum Spielen müssen vier AAA-Batterien oder -Akkus eingelegt werden. Das Batteriefach ist verschraubt. Zum Einlegen der Batterien ist als ein Schraubendreher nötig. Das Videokabel nutzt Cinch-Anschlüsse, die bei aktuellen Fernsehgeräten oft nicht mehr verbaut sind. Hier ist gegebenenfalls ein Adapter oder ein Konverter notwendig.

So bewirbt Pearl die Retro-Mini-Konsole im Versandkatalog. (Quelle: Pearl GmbH)

Das Gerät

Die Verarbeitung des Geräts ist keineswegs hochwertig, aber für seine Preisklasse sehr ordentlich. Zwar gibt es die ein oder andere nicht ganz glatte Kante am Kunststoffgehäuse, insgesamt ist die Handheld-Konsole aber stabil verbaut. Sie lässt sich nicht verwinden oder verbiegen. Das Plastik knarzt nicht.

Die Konsole verfügt über ein 2,8 Zoll großes Farbdisplay, das hell leuchtet und daher auch bei heller Umgebung gut betrachtet werden kann. Eine Helligkeitseinstellung gibt es allerdings nicht. In dunklen Räumen blendet der Bildschirm somit ein wenig und strengt die Augen an. Die Blickwinkelstabilität nach oben und unten ist gut, seitlich hingegen eher schlecht.

Der Handheld kommt mit einem Controller für einen Mitspieler, dem Videokabel zum Anschließen an den Fernseher und je einer Kurzanleitung in Deutsch und Französisch.

Unterhalb des Displays befindet sich ein Vier-Wege-Steuerkreuz, zwei Daumentasten, ein Start- und ein Reset-Knopf. Jede Tastengruppe verfügt über unterschiedliche Druckpunkte. Zum Drücken des Steuerkreuzes ist am meisten Kraft erforderlich, für die Daumentasten weniger und die Start- und Reset-Taste am wenigsten. Zwar fühlen sich die Daumentasten insgesamt am angenehmsten an, gleichzeitig wackeln sie in ihrer Aussparung und klappern deswegen ein wenig. Das stört beim Spielen aber nicht allzu sehr.

An der linken Gehäuseseite befindet sich der Ein-/Aus-Schalter und der Lautstärkeregler. Die Benutzung ist aber gewöhnungsbedürftig, da der Regler nach unten gedreht werden muss, um die Lautstärke zu erhöhen. Seine geringe Größe erschwert die Bedienung zusätzlich. Etwas ungeschickt ist auch die Platzierung des Lautsprechers unterhalb des Steuerkreuzes. Beim Halten der Handheld-Konsole wird er vom linken Daumen verdeckt. Die maximale Lautstärke ist aber hoch genug, um das ausgleichen zu können. Klanglich ist der 0,25 Watt schwache Lautsprecher allenfalls ausreichend. An der Unterseite befindet sich der 2,5-mm-Anschluss für das Videokabel sowie ein Micro-USB-Port für den externen Controller.

Der Controller erinnert von Form und Aufbau an das Eingabegerät des Nintendo Entertainment Systems. Auch auf der Platine ist ein entsprechender Vermerk, der Aufschluss auf den Ursprung des Designs schließen lässt. Neben der farbigen Folie fallen auch gleich die zusätzlichen Tasten auf. Neben der A- und B-Taste, die es auch auf dem Handheld selbst gibt, verfügt das Gamepad über eine TA- und TB-Taste. Sie verfügen aber über dieselbe Funktion wie die A- und B-Tasten. Im Gegensatz zu der Belegung auf dem Gerät selbst (A-Taste links, B-Taste rechts) entspricht sie hier dem Standard des japanischen Herstellers (B-Taste links, A-Taste rechts). Eine Nutzung des Controllers ist trotz des Micro-USB-Ports nicht möglich. Er wird von einem PC nicht erkannt.

Die Spiele

Insgesamt verfügt der MGT-Handheld über 200 Spiele, die über das Hauptmenü abgerufen werden können. Pro Bildschirmseite sind acht Spiele aufgelistet. Mit dem Steuerkreuz kann in vertikaler Richtung durch die Liste gescrollt werden. In horizontaler Richtung kann durch die Seiten geblättert werden. Von den 200 Spielen lassen sich 94 gemeinsam spielen. Die Länge des Controller-Kabels von einem Meter ist dafür ausreichend. Da das Bild von der Seite nur schwer zu erkennen ist, ist hier auf Kooperation zu hoffen. Alternativ kann zu Hause der Fernseher genutzt werden. Das mitgelieferte Videokabel ist mit einer Länge von zwei Metern dafür aber nur mäßig geeignet.

Im Gegensatz zu vielen anderen Konsolen dieser Art handelt es sich bei den integrierten Spielen um Unikate, die sich nicht wiederholen. Sie stammen aus zahlreichen unterschiedlichen Genre. Es sind Rennspiele, Puzzle und auch Shooter mit dabei. Die Qualität der Spiele variiert dabei, ebenso wie der Schwierigkeitsgrad, jedoch stark. Da es keine Anleitungen zu den Spielen gibt, ist nicht immer direkt ersichtlich, wie die Spiele funktionieren. Nach dem Trial-and-Error-Verfahren lässt sich das aber meist herausfinden.

Der Detailgrad von Over Speed Racing ist in Anbetracht des Geräts hoch und das Spiel sieht insgesamt recht ansprechend aus. Die Umgebung in Ufo Race ist hingegen einfach gehalten und sieht recht mager aus. Auch verzichten einige Titel auf Soundeffekte, sodass sich Spieler mit der Hintergrundmusik begnügen müssen. Die Rennspiele und auch die Puzzlegames lassen sich meist direkt und einfach steuern. Anders ist das bei Snowball. Hier wird nicht jede Eingabe mit dem Steuerkreuz registriert. Das wäre auf Dauer nervig. Zu dieser Dauer kommt es aber nicht, da die fünf einfachen Level innerhalb von drei Minuten durchgespielt sind. Allgemein steht Vielfalt bei den wenigsten Spielen auf dem Programm. Das Spielgeschehen in vielen Titeln ist vorhersehbar. Renn- und Actionspiele eignen sich gut für eine Runde zwischendurch. Bei den nicht immer ganz einfachen Plattformern ist Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz nötig. Eine Speicherfunktion gibt es nämlich nicht.

Auch die Programmierung der Spiele ist nicht immer ganz gelungen. Im Spiel Falling sollen zum Beispiel von einem Militärfahrzeug Fallschirmspringer abgeschossen werden. Sobald die Kugel ihr Ziel erreicht, verschwinden die Fallschirmspringer einfach. Augenscheinlich stammen die Spiele aus unterschiedlichen Produktionen, da die Steuerung bei ähnlichen Spielen nicht einheitlich ist. Im Spiel Extreme Rally wird das Fahrzeug relativ zur Fahrtrichtung mit dem Steuerkreuz nach links und rechts gesteuert. Bei Highway Rider erfolgt die Lenkung aus Sicht des Spielers, also nach oben und unten. In beiden Spielen führt die Fahrtrichtung von links nach rechts. Allgemein gilt aber, dass die Schrift, vom Menü abgesehen, in nahezu allen Spielen zu klein ist. Teilweise fehlt es auch an Kontrast, um das HUD richtig lesen zu können. In seltenen Fällen flackern die Texteinblendungen.

Level up oder Game over?

Für einen Preis von knapp 20 Euro sollte hier niemand einen Konkurrenten zu den Konsolen namhafter Hersteller aus den USA oder Japan erwarten. Für den schmalen Geldbeutel gibt es hier aber ein, vom Lautstärkeregler abgesehen, vernünftig verarbeitetes Gerät. Insbesondere das Display fällt positiv auf. Weiterhin punktet es mit einer großen, individuellen Spieleauswahl. Längst nicht alle Titel sind gut, aber der Großteil ist durchaus spielbar. Die Qualitätsdifferenz zwischen einzelnen Werken ist aber deutlich spürbar. Auch die Verarbeitung des externen Controllers fällt gegenüber dem Handheld merklich ab. Gelegenheitsspieler und Menschen, die allein oder zu zweit kurzweiligen Gaming-Spaß haben wollen, kommen hier auf ihre Kosten. Langfristiger Spielspaß kommt bei den kurzen Spielen ohne Speicheroption aber nicht auf, ebenso wenig wie das versprochene Retro-Feeling. Dazu fehlt es an echten Titeln aus der damaligen Zeit. Wer danach sucht, wird eher bei den neu aufgelegten Mini-Konsolen der Originalhersteller fündig.

Hinweis: Das Gerät wurde von der Pearl GmbH kostenlos zur Verfügung gestellt.

Sven Festag

Er schreibt seit 2014 über Videospiele, Technik und Veranstaltungen, sammelt Spiele und spricht als Co-Moderator bei QUICK-LOAD. Du erreichst ihn per Mail unter sven.festag@quick-save.de, auch mit Verschlüsselung. [18A3 F689 EC4C 68E8 D689 678B B4BF 6FB6 2291 478F]

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.