Phasmophobia • Gib uns ein Zeichen!

Mit bis zu vier Spielern wird in Gebäuden nach paranormaler Aktivität gesucht und auch davor geflüchtet. Der Indie-Hit eines einzelnen Entwicklers im Ersteindruck.


Wer wollte nicht schon immer Geisterjäger spielen? Zugegebenermaßen konnte man das schon in vielen Spielen, wenn auch in mehr oder weniger brutaler Form. Was wäre allerdings, wenn man nur mit dem Equipment nach Geistern forscht, diesen aber kaum besiegen kann? Ungefähr so lässt sich das Indie-Horrorspiel Phasmophobia beschreiben. Das Ein-Mann-Projekt hat das Internet im Sturm erobert.

In der Lobby ist das Whiteboard das Hauptmenü. Zum Vertrödeln der Zeit kann man sich mit der Physik vertraut machen und ein wenig Basketball spielen. Entweder nimmt man an den zahlreichen öffentlich einsehbaren Sessions teil oder sichert die Session mit einem sechsstelligen Zahlencode, um nur mit bestimmten Leuten zu spielen. Für Einsteiger lohnt sich ein Blick ins Training, welches den Spieler auf die Geistersuche vorbereitet mithilfe eines kleinen Hauses und entsprechendem Equipment. Doch eine Sache sollte man dabei im Hinterkopf behalten: Der Geist ist nur im Training permanent gewaltfrei.

Süßes? Es gibt nur saures.

Im Transporter stehen Equipment und Überwachungswerkzeuge für die Geisterjagd bereit. (Quelle: Kevin Puschak/Kinetic Games)

Mit bis zu vier Spielern in einer Session kann ein bestimmtes Gebäude für die Suche ausgewählt werden, das kann ein Wohngebäude, eine große Holzhütte, eine verlassene Schule oder gar ein Irrenhaus sein. Für das Spiel lässt sich Ausstattung kaufen. Jeder Spieler kann dazu beitragen, die Anzahl der Ausstattungsgegenstände zu vergrößern, so braucht man sich nicht um eine Taschenlampe oder um eine Kamera streiten. Beim Spielstart startet man aus einem Transporter mit dem Equipment, einem PC mit den Filmkameras und ein Whiteboard mit optionalen Aufgaben und Informationen wie Name des Geistes und wie man ihn anlocken kann.

Vier Bildschirme zeigen den Verstand jedes Spielers an, der in dunklen Ecken und bei gewissen Geistern stark verschlechtert werden kann. Ein Diagramm zeigt die Aktivität des Geistes an, ein weiteres die Ausprägung der Audiosensoren. Ein Bildschirm zeigt einen Raumplan. Der Raumplan ist nützlich, um den Stromgenerator zu lokalisieren, denn die Geister lassen gerne mal die Sicherung rausfliegen. Keine idealen Bedingungen, um den Verstand der Spieler aufrechtzuerhalten.

Der Clou an Phasmophobia kommuniziert wird per Sprache. Ein gutes Mikrofon ist essenziell. Man kann sich dabei nicht nur mit Spielern in unmittelbarer Nähe oder per Funk (Push-to-talk) unterhalten, sondern auch mit dem Geist. Mithilfe einer Geisterbox, welches aussieht wie ein FM-Radio, kann der Geist etwa über die Box nach der Frage „Bist du hier?“ die Antwort „Here.“ geben. Oder der EMF-Reader fängt an, mehrere Stufen anzuzeigen, nachdem man im Raum des Geistes „Gib uns ein Zeichen.“ gesagt hat. Die Geister reagieren auf viele Sprachkommandos. Provoziert wird dieser durch mehrmaliges Aufsagen seines Namens oder gar durch Beleidigungen. Das geht übrigens nur fünf Minuten lang gut, solange greift der Geist nicht an.

Die Hölle in vier Wänden

Nach den fünf Minuten wird es für jeden Spieler gefährlich. Denn es kann durchaus passieren, dass alle Lichter und auch die Taschenlampen anfangen zu flackern und der Geist jemanden versucht zu töten. Eine Flucht nach draußen ist nicht möglich, da hilft nur verstecken. Deshalb sollten die fünf Minuten genutzt werden, so viele Informationen wie möglich zu sammeln. Mit UV-Licht können Finger- und Fußabdrücke lokalisiert werden, mit Filmkameras können kleine fliegende Kreise – sogenannte Geisterorbs – erkundet werden und mit Fotokameras können die Geister mit ein wenig Glück als Beweis fotografiert werden. Im Laufe des Spiels kann man sich auch ein Ouija-Brett zur weiteren Kommunikation oder Sachen wie Kruzifix oder Wischstäbchen zur temporären Vertreibung der Geister besorgen.

Bei der Jagd wird man mit paranormalen Aktivitäten konfrontiert. Neben flackernden Lichtern und Stromausfällen können sich Gegenstände bewegen, Telefone klingeln oder Alarmanlagen läuten. Das sind allerdings noch recht harmlose Aktionen, die einen leichten Schrecken verursachen. Geräusche vom Geist oder lautes Poltern kündigen die Aktivität an. Und das Zeichen, sich entweder zu verstecken oder zu verschwinden.

Einmal erwischt greifen abnormale Hände in unsere Richtung und wollen dem Spieler mitteilen: Du wurdest getötet. Den Rest der Session kann man in einer hellen Umgebung ohne Türen weiterhin beobachten, selbst die Funksprüche und die Gespräche lassen sich belauschen. Hier gibt es günstige Gelegenheiten, den Geist aus der Nähe zu betrachten.

Schauder on the wall

Auf frischer Tat ertappte Geister sind Gold wert. (Quelle: Chris Henseler/Kinetic Games)

Alle Beweise werden in einem Journal zusammengetragen. Dort erfährt man etwas über das Equipment und die Geistertypen. Drei Beweise braucht es, um den Geist korrekt zu ermitteln. Sind drei Beweise eingetragen, ist die Ermittlung nicht sehr schwierig. Mit weniger Beweisen muss geraten werden. Im Journal können sich zudem die gemachten Fotos angesehen werden.

Optionale Ziele sind etwa Räume mit Temperaturen unter 10 Grad Celsius zu finden, Waschbecken mit dreckigem Wasser finden, Geisteraktivität mittels Bewegungssensoren festzustellen und so weiter. Selbst ein Knochenfund im Gebäude ist viel wert. Es lohnt sich, die Ziele zu erfüllen, denn für die richtige Ermittlung des Geistes und der Erfüllung vieler Ziele kann das gewonnene Geld in neues Equipment investiert werden.

Während der Tests gab es keinerlei technische Probleme, auch die Server blieben stabil. Manche Gegenstände bilden sehr eigenartige Schatten und das Handling mit Türen verlangt etwas Übung. Die Kommunikation mit anderen Spielern verlief ebenfalls problemlos und die Funksprüche klingen sehr authentisch. Auf dem leicht betagten Testsystem lief das Spiel mit den voreingestellten Grafikeinstellungen überwiegend flüssig, der Betrieb auf einer altersschwachen Kiste ist also kein Problem.

Lichter flackern, eine Stimme säuselt durch die Box, ein lautes Stampfen eines hin und wieder auftauchenden Geistes versetzt eine Angst, die dem Spiel eine besondere Atmosphäre verleitet. Die gemeinsame Geisterjagd in Phasmophobia macht Angst und Spaß zugleich. Mit den Mitstreitern wird kommuniziert, wer was erforscht und um welche Art von Geist es sich handeln könnte. Und alle machen sich bei der Anwesenheit von ebendiesem in die Hosen. Wenn wir fragen „Wo ist das junge innovative Gruselspiel?“, würde Phasmophobia definitiv mit „Here.“ antworten.


Das Spiel hat einen VR-Modus, allerdings stand dem Team keine geeignete Hardware zur Verfügung.

Testsystem

Betriebssystem:Microsoft Windows 10 Home 64-Bit (Version 1909)
Prozessor:Intel Xeon E3-1230v3
Grafikkarte:GIGABYTE GeForce GTX 1050 Ti
Soundkarte:ASUS Xonar DX
Festplatte:Western Digital WDC WD10EAVS (1TB, darauf wurde das Spiel installiert)
Arbeitsspeicher:16GB DDR3-1600 (4x 4GB)

Daten zum Spiel

Titel:Phasmophobia
Erscheinungsdatum:18.09.2020
Entwickler:Kinetic Games
Publisher:Kinetic Games
System:Windows
Kaufen:Steam

Kevin Puschak

Er schreibt seit 2017 über Videospiele, betreibt einen YouTube-Kanal für alte Software und Hardware, sammelt Technik und Spiele und spricht als Co-Moderator bei QUICK-LOAD. Kontaktiere ihn per Mail unter kevin.puschak@quick-save.de.

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