thumbs UP! Mini TV Games • Stationäre Masse statt Klasse

In einem kleinen Controller 200 Spiele unterzubringen ist schon beachtenswert, aber gibt es für das Gesamtpaket auch einen Daumen nach oben? Wir finden es heraus.


Es ist gerade mal einige Monate her, als Sega mit dem Mega Drive Mini eine verkleinerte Variante seiner beliebten stationären Konsole aus den 1990er Jahren auf den Markt gebracht hat. Doch der Einführungspreis von 79,99 Euro dürfte einige von einem Kauf abgehalten haben. thumbs UP! ‒ auch als ORB Gaming vermarktet ‒ bietet mit der Mini TV Games eine Spielekonsole für schlappe 14,95 Euro an. Darauf enthalten: ganze 200 Retro-Spiele.

Vor einem Röhrenfernseher: Betriebsanleitung, Karton, die Minikonsole und das Kabel
Der Verpackungsinhalt

Das Gerät

In der Verpackung liegen neben der Konsole, die wie ein unergonomischer Controller mit Joystick und einigen Knöpfen ausschaut, eine kleine Bedienungsanleitung in fünf Sprachen ‒ darunter auch Deutsch ‒ sowie ein 2 Meter langes Videokabel bei. Batterien zählen nicht zum Lieferumfang. Insgesamt werden drei Stück in der Größe AAA benötigt. Das Batteriefach ist mit einer Kreuzschraube gesichert.

Auf der Unterseite ziert eine Warnung wegen verschluckbarer Kleinteile den Deckel für die Batterien. Zwar erscheint es unwahrscheinlich, dass ein Baby versuchen möchte, ein 7 x 2 x 4 Zentimeter großes Plastikteil herunterzuschlucken, aber gelingen könnte es diesem nicht. Man erhält ein etwa 66 Gramm schweres Plastikgehäuse, welches aber nicht allzu billig wirkt. Lediglich sehr große Hände könnten Schwierigkeiten bekommen, ansonsten ist der Haltekomfort soweit in Ordnung, dass es auch nach Stunden nicht anfängt, in den Handgelenken zu schmerzen.

Die Konsole muss über das Videokabel mit einem Fernseher verbunden werden. Zumindest die Besitzer von recht jungen Fernsehgeräten werden hier auf Adapter oder gar auf Konverter zurückgreifen müssen, denn wir haben schließlich eine Konsole mit Retro-Spielen vor uns, da soll gefälligst auch der Anschluss „retro“ sein. Es kommen Composite-Kabel zum Einsatz, das gelbe Kabel ist für Video und das weiße für Audio.

Ist das Gerät über den Schiebeschalter vorne eingeschaltet und erfolgreich mit dem Fernseher verbunden, zeigt sich innerhalb von Sekunden das stille Menü, über das man eines der 200 Spiele auswählen kann. Wird der Joystick nach links oder rechts bewegt, werden zehn Einträge übersprungen, beim Drücken der Taste B sogar 80. Pro Seite werden acht Einträge angezeigt. Hat man nun ein Spiel gefunden, welches man spielen möchte, wird dafür die Start-Taste betätigt. Und wenn es ein anderes Spiel sein soll, kehrt man über die Reset-Taste zurück zum Menü.

Die Spiele

200 Spiele, das ist nicht gerade wenig. Wer nicht gerade im Internet nach einer Spieleliste gesucht hat, muss sich überraschen lassen. So viel sei gesagt: Laut Beschreibung gibt es „Schieß-, Arkade-, Puzzle- und Sportbasierte Spiele“. Und wie genau die sich spielen lassen, wird ebenfalls dem Spieler überlassen, denn hier gilt das Motto „Learning by doing“. Ansonsten wäre die Anleitung auch wesentlich dicker gewesen. Zumindest beim Großteil der Titel ist die Steuerung recht schnell zu begreifen.

Die Auswahl beschränkt sich auf Spiele, die sich vom Aussehen und von der Akustik her an Konsolenspiele der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren orientieren, aber entweder völlig unbekannt sind oder zumindest ein wenig an bekanntere Titel erinnern. Man bekommt im Laufe der Zeit das Gefühl, dass sich einige Titel vom Aufbau her stark ähneln. Ein Beispiel wären die Spiele High Jump 1 und Javelin. Die gleiche Oberfläche, die gleiche Aufmachung, die gleichen Soundeffekte. Nur mit dem Unterschied, dass bei Ersterem der Stabhochsprung, bei Zweiterem das Speerwerfen vollzogen wird. Noch dreister sind Burbles und Bubble. Bei beiden handelt es sich um das gleiche Spiel, nur haben sie unterschiedliche Texturen.

Wie bereits erwähnt gibt es auch Spiele, die an bekanntere Titel erinnern. Da wäre etwa Diamond, das an Arkanoid erinnert, oder Greeds, das Snake nachahmt. Interessant ist die Tatsache, dass es möglich ist, den Joystick in eine diagonale Richtung zu lenken. Das wird einem erst auffallen, sobald ein Spiel wie Aerial Hero dies unterstützt. Leider gibt es auch Titel, wo solch eine Diagonalsteuerung gutgetan hätte, was darauf schließen lässt, dass nicht alle Spiele auf die Konsole abgestimmt sind. Deshalb gibt es auch stark ruckelnde Titel wie Combata.

Das Zusammenspiel

Sind aber alle Spiele schlecht? Nein, ein kleiner Teil nicht. Ganze neun Titel, also 4,5 Prozent, waren ganz in Ordnung. Etwa Contest, bei dem man mit einem Düsenjäger einen Gegner in einer Arena bekämpfen muss, aber gleichzeitig auf ein sich bewegendes Fadenkreuz achten muss, dass einen ebenfalls zerstören kann. Der erste Titel aus der Liste namens F-22 ist ein sehr passabler Shooter, bei dem Flugzeuge und Bodengeschosse mit Dauerfeuer beschossen werden. Zumindest, solange die Steuerung mitspielt.

Die Knöpfe lassen sich überraschend angenehm drücken und selbst der Joystick lässt sich gut bewegen, doch durch die teils miserable Anpassung an die Spiele gibt es Situationen wie eine plötzliche Steuerung in die falsche Richtung. Das sorgt für viel Frust. Der Druckpunkt der Start- und Reset-Tasten sind eher mager, da das aber die nebensächlichen Tasten sind, geht das in Ordnung.

Fehler hielten sich während des gesamten Tests in Grenzen. Die Konsole an sich ist nie abgestürzt und sie wurde auf der Unterseite nur dezent warm. Doch bei Metro Mania gab es etwa im Laufe der Zeit Darstellungsfehler und bei Jumping Kid blieb das Spiel nach dem Verlust eines Lebens hängen. Nach solchen Fehlern das Spiel neu suchen zu müssen, sofern die Spiele weit hinten in der Liste sind, frustet ebenfalls.

Das Fazit

Die Retro-Konsole in den Händen vor einem Röhrenfernseher
Winzig, aber nicht wirklich unkomfortabel

Die dicke Mini-Spielekonsole mit 200 Spielen – diese Masse macht noch lange keine Klasse. Viele der Spielchen gehen über den „Gelegenheitsstatus“ nicht hinaus und sind für stundenlange Unterhaltungen ungeeignet. Retro-Charme wird durch den veralteten Composite-Stecker und die 8-Bit-Spiele definitiv versprüht, aber diese Konsole gibt das Gefühl wieder, als emuliere es ein SEGA Master System mit eher nicht so tollen Spielen. Der niedrige Preis und die angenehmen Druckpunkte der Tasten finden aber durchaus Gefallen.

Kevin Puschak

Er schreibt seit 2017 über Videospiele, betreibt einen YouTube-Kanal für alte Software und Hardware, sammelt Technik und Spiele und spricht als Co-Moderator bei QUICK-LOAD. Kontaktiere ihn per Mail unter kevin.puschak@quick-save.de.

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