Redragon K552 • Kompakt und günstig

Mechanisch, günstig und solide verarbeitet: die Gaming-Tastatur von Redragon überrascht im positiven Sinn. Wie sehr sie das tut, lest ihr im Test.

Für die Schreibkünstler: die Schreibweise des amerikanischen Anbieters für Peripherie im Gaming-Bereich ist so tatsächlich richtig. Deren Produktpalette erschlägt einen förmlich, schaut man sich auf deren Website um. Das Modell K552 – auch KUMARA genannt – ist in diesem Bericht unser Testprodukt, welches ich für nicht einmal 30 Euro bei Amazon entdeckt habe (Normalpreis 34,99 Euro). Dafür bekommt man das Modell mit QWERTZ-Tastaturlayout und ohne Tastenbeleuchtung. Die Preisunterschiede zu dem Modell mit einfarbiger roter Beleuchtung (zusätzlich fünf Euro) und mit RGB-Beleuchtung (zusätzlich 15 Euro) sind nicht wirklich groß.

Auch wenn man sich das Modell ohne Tastenbeleuchtung anschafft, so kriegt man die Packung serviert, die einem die Variante mit der einfarbigen Beleuchtung zeigt. Man bekommt aber über einen Aufkleber an der Oberseite angezeigt, was sich in der Packung befindet. Diverse Produkteigenschaften zieren den Rest des kleinen Kartons, der neben der Tastatur eine Kurzanleitung in mehreren Sprachen auch einen etwas billig anmutenden Keycap-Puller beinhaltet, mit dem es möglich ist, ohne große Frickelei die Tastenkappen austauschen zu können. Ein nettes Detail bei dem äußerst dicken USB-Kabel ist der Klettverschluss. Zudem gibt’s eine Schutzkappe am USB-Stecker.

Originalverpackung mit Inhalt: Tastatur, Keycap-Puller und Kurzanleitung

„Tasten“ ist ein gutes Stichwort, denn wir haben vor uns eine echte mechanische Tastatur. Keine pseudo-mechanische wie die AmazonBasics Gaming-Tastatur. Bei dem Preis darf man freilich nicht die weit verbreiteten Schalter von der Kirsche aus Auerbach an der Oberpfalz erwarten, hier kommen Äquivalente zum Einsatz, genauer gesagt ein Äquivalent zu Cherry MX Blue. Diese kommen aus dem Hause Outemu und sind genauso taktil und „clicky“ wie die Cherrys. Man verspricht uns ein gleiches Tippgefühl.

Sonst könnte einem noch die Breite auffallen. Dies ist eine Gattung der „Tenkeyless“-Tastaturen. Diese kommen ohne Zahlenblock daher, den man sonst auf der rechten Seite erwarten würde. Viele verwenden diese Art von Tastaturen aus Platz- oder gar aus Ergonomiegründen, da man so die Maus näher rücken kann. Deshalb dürfte im Detail auffallen, dass damit auch der für eine Zehnertastatur notwendige Numlock fehlt.

Einmal in der Hand bemerkt man das recht hohe Gewicht, das ist der Metall-ABS-Konstruktion geschuldet, die die Tastatur etwas wertiger anfühlen lässt. Und das merkt man deutlich, es wackelt und knarzt überhaupt nichts. Klopft man auf die Plastik-Unterseite, hört man das Nachhallen des Metalls. Zwei Klappen sorgen für eine leichte Erhöhung, diese sollte man auch nutzen, denn im normalen Zustand kippelt die Tastatur.

Für eine Gaming-Tastatur sind die Tastenkappen erfreulich nüchtern ausgefallen. Die Funktionstasten haben eine riesige Schriftgröße, was in meinen Augen etwas bieder daherkommt. Lediglich die Buchstaben W, A, S und D haben Pfeile, so wie die Pfeiltasten auch die vier Buchstaben haben. Über die in den F-Tasten (F1-F12) dargestellten Kästchen kann man mit Drücken der Fn-Taste Funktionen ausführen. So kann man die Lautstärke steuern, die Musik steuern oder den standardmäßig eingestellten Mediaplayer, das Mailprogramm, den Browser oder den Rechner starten. Unter Windows haben alle Funktionstasten funktioniert, unter Linux (KDE neon) wollten lediglich das Mailprogramm, der Mediaplayer und der Rechner sich nicht blicken lassen. Winamp konnte die Mediensteuerung erwartungsgemäß nicht interpretieren, der VLC Media Player und der Windows Media Player konnten dies aber tadellos.

Doch es geht noch mehr. Über Fn + W, S, A, D oder eines der Pfeiltasten lassen sich diese Tasten vertauschen. So bekommen die Cursortasten die Macht über die vier Buchstaben und umgekehrt. Das kann in einigen Fällen ganz praktisch sein, wenn etwa das jeweilige Spiel zur Bewegung nur Pfeiltasten zur Steuerung festlegt, man aber eher mit der WASD-Steuerung klarkommt. Oder man scrollt sich mit der WASD-Steuerung durch Websites. Wer es gebrauchen kann: Diese Tastatur kann es. Außerdem kann man durch Fn + Win die Windowstasten (Win und Kontextmenü) und mit Fn + F11 sogar die ganze Tastatur deaktivieren.

Die verbauten Outemu-Switches unter den Tasten W, A, S und D

Wie lässt es sich tippen, wenn schon ein Äquivalent von Cherry MX Blue verbaut ist? Tatsächlich ist der Anschlag etwas härter als beim Original, man braucht etwas mehr Kraftaufwand, um die Taste bis zum Boden zu drücken. Das geht bei den Cherrys deutlich leichter. Es verursacht bei mir dennoch keine Probleme, denn ich bin in der einen Woche, wo ich die Tastatur im täglichen Einsatz hatte, bestens klargekommen. Leicht erschrocken war ich von der Akustik, denn das Tippgeräusch ist ziemlich laut. Das ist bei Cherry MX Blue zwar auch der Fall, aber hier ist der Anschlag noch lauter und tiefer. Das muss man mögen, hat mich aber mit der Zeit kaum gestört. Alles subjektive Eindrücke, jeder hat dazu immer eine andere Meinung.

Die Tastenkappen sind von der günstigen Sorte, die Produktbeschreibung spricht von „doppelt spritzgegossenen Tastenkappen“, das scheint aber eher auf die durchsichtigen bei der beleuchteten Variante zuzutreffen, denn die in diesem Modell verbauten Kappen kriegen schon nach wenigen Tagen Nutzung erste Abriebspuren, die man an den Buchstaben gut erkennen kann. Zudem sind sie kratzempfindlich, wenn man diese mit dem Keycap-Puller herausziehen möchte.

Trotz alledem ließ es sich mit der Tastatur gut arbeiten, denn ich verwendete diese Tastatur nicht nur beim Verfassen dieses Tests, sondern auch im Homeoffice, wo ich auch nicht gerade wenig Tipparbeit habe. Eine Runde Grand Theft Auto V (2015) machte keinerlei Schwierigkeiten, trotz der Tatsache, dass alle Manöver in dem Spiel, seien es die zu Fuß oder mit dem Fahrzeug, akustisch von lautem Klicken begleitet wurden.

Laut Packung soll es noch möglich sein, die Schalter auszutauschen. So ist man nicht zwingend auf die Outemu-Switches angewiesen und könnte so etwa lineare oder taktile „non-clicky“ Switches einbauen, etwa von den Marken Kailh oder Gateron, ebenfalls Hersteller von Cherry-MX-Klonen. Noch ein Set Tastenkappen dazu, schon kann man diese Tastatur ganz nach seinen Wünschen individualisieren.

Eine simple mechanische Tenkeyless-Tastatur ohne Beleuchtung mit Cherry-MX-Blue-Kopie und solider Verarbeitung…und dabei kostet diese nicht einmal die Welt. Der Tastenanschlag ist super, das ganze Chassis ist stabil und robust und die Funktionen sind ganz nett. Würde man auf hohem Niveau meckern wollen, müsste man lediglich die etwas minderqualitativen Tastenkappen beanstanden. Aber bei dem Preis ist das absolut kein Grund. Wer günstig in die Welt der mechanischen (und lauten) Tastaturen einsteigen will: Die Redragon K552 wäre eine Überlegung wert.

Kevin Puschak

Er schreibt seit 2017 über Videospiele, betreibt einen YouTube-Kanal für alte Software und Hardware, sammelt Technik und Spiele und spricht als Co-Moderator bei QUICK-LOAD. Kontaktiere ihn per Mail unter kevin.puschak@quick-save.de.

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