Die 13. Lange Nacht der Computerspiele in Leipzig

Zum 13. Mal schon baute man den Lipsiusbau der HTWK Leipzig zum größten Retrospiele-Event Deutschlands um. Und erneut warteten auf die Besucher vier Jahrzehnte der Videospielgeschichte – von Pong bis Virtual Reality.

Zur Vorgeschichte des Events habe ich bereits im Jahr 2018 etwas geschrieben. Die seit 12 Jahren stattfindende Veranstaltung findet in den vier Stockwerken der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) in der Nähe des Connewitzer Kreuzes statt. Im Vorfeld wurde gemunkelt, dass es dieses Mal mehr Besucher anziehen wird, da es an dem Samstag den ganzen Tag geregnet hat. Regen – ein Zusammenhang zur als Unglückszahl verschrienen 13?

Die Fahrt nach Leipzig über die A14 zog sich wetterbedingt etwas, bedingt durch einige unvorhersehbare Baustellen, die mich durch sämtliche Ecken und Kanten führte, bis ich am besagten Gebäude ankam und flott einen Parkplatz gefunden habe. Man findet einige Stunden vor und nach Start relativ gut einen Standplatz für sein Gefährt. Doch auch mit den Straßenbahnlinien 10 und 11 kann man die HTWK bequem vom Leipziger Hauptbahnhof erreichen.

Von alt bis neu, von jung bis alt – die Lange Nacht der Computerspiele kennt keine Altersgrenzen

Ich hatte dieses Mal die Gelegenheit gehabt, eine Stunde vor dem eigentlichen Start um 14 Uhr anzukommen. Am Eingang sagte man mir, dass man mich wegen des Tages der offenen Tür nicht daran hindern könnte, einzutreten. Der Eintritt ist, wie jedes Jahr, vollkommen kostenlos, weiterhin ein großer Pluspunkt.

Eine Übersicht der Räumlichkeiten

Im Foyer gibt es schon viel zu bestaunen, bevor man an der Security vorbei muss: Vitrinen voller Spiele, Handheld-Spielekonsolen und DDR-Computer. Im anderen Teil gab es eine große Vitrine voller Lernspiele von Humongous Entertainment wie Freddi Fisch. Der Bereich der Mensa hat Liebhabern analoger Spielewelten etwas geboten, zum Beispiel Brettspiele und Pen & Paper. Ich begnügte mich mit meiner Begleitung an einer Runde Jenga.

Wer einen GameBoy Printer, den man insbesondere dazu verwendet hat, um die mit der GameBoy Camera geschossenen Fotos in Stickerform auszudrucken, durfte dies beim Stand von SPIELKRITIK.com bzw. dem GAIN Magazin machen, man durfte aber auch eine Runde am SNES Mini spielen. Neben einem Raum mit Spielen, die Multiplayer-fähig waren, etwa Minecraft, Unreal Tournament oder GTA 2, gab es auch dieses Jahr wieder einen Raum, der für Streamer reserviert war, die mit ihrem teuren Multimedia-Equipment Fortnite oder StarCraft 2 spielten, das Geschehen konnte man auf einem großen Fernseher draußen bewundern. Sonst fand man die Szene der Spielemacher und die Leipziger eSports-Liga im gleichen Stockwerk vor.

Wenn man plötzlich feinste 8-Bit-Musik wahrnimmt, ist man im zweiten Stockwerk angekommen, wo man den Stand von Radio PARALAX vorfindet. Die Musik, mit der man dort begrüßt wird, passt auch gut zum gesamten Stockwerk, denn links und rechts findet man eine Menge alter Spielekonsolen vor. An einem teuren Amiga-Rechner konnte man eine Runde Hugo spielen, man konnte sich an einem Arcade-Automaten begnügen und im DOS-Raum gab es erneut eine massenhafte Ansammlung alter IBM-kompatibler PCs, wo man sich mit PC-Spielen der 80er und 90er Jahre austoben konnte. Auch das Haus der Computerspiele, hier repräsentiert durch Mogelpower, bot eine große Auswahl sämtlicher jemals existierender Spielekonsolen an. Im anderen Bereich gab es noch ein Tetris-Event, eine Amiga-Gruppe und einen sogenannten „AFK-Room“, der mitunter ruhigste Bereich der gesamten Langen Nacht der Computerspiele.

Im dritten Stockwerk konnte man sich mit Büchern eindecken oder jungen talentierten Spieleprogrammierern bei ihrer Arbeit zuschauen oder eines ihrer Werke bewundern wie etwa das Spiel Elemates von der Hochschule Mittweida oder Return of the Tentacle von INSTEAD Games. Besonders junge Leute erfreuten sich am Lasertag, wo sie sich elektronische Schutzteile anzogen und Ziele abschossen. Im vierten Stockwerk konnte man einen Blick auf das Nao-Team mit ihren knuffeligen Fußballrobotern werfen.

Zocken wie damals konnte man auch

Man kann insofern sagen: es mangelt nicht an Möglichkeiten, etwas bei dieser Veranstaltung zu tun. In jeder Räumlichkeit wird man mit den unterschiedlichsten Systemen der Videospielgeschichte konfrontiert, sei es eine selbstgebastelte Pong-Konsole aus der DDR, ein Commodore 64, ein HP Omnibook aus den 90er Jahren oder ein modernes Notebook, woran eine VR-Brille angeschlossen ist. Modifikationen wie Bildschirme, die aussehen wie ein Röhrenmonitor, aber ein TFT-Display im inneren haben, oder die Miniatur-Version vom SNES waren ebenfalls anzutreffen.

Große Highlights gab es dieses Mal nicht, im Foyer wurde ein großer Karton mit sämtlichen SuSE-Linux-Versionen, angefangen bei Version 7.0, angeboten. Sogar komplett kostenlos. Extra mit dem netten Hinweis, dass es nichts bringt, diese bei ebay zu verkaufen. Offenbar wollte man den gesamten Inhalt davon loswerden, ich begegnete aber einigen Besuchern, die aus dieser Kiste sich dennoch etwas gegriffen haben. Ich habe darauf verzichtet und bereue es fast schon im Nachhinein.

Bedingt durch das Wetter konnte draußen dieses Mal nicht am Balkon gegrillt werden, dennoch gab es abends gebratenes Fleisch in der Mensa mit äußerst fairen Preisen und kleineren Rabatten, falls man Student ist.

Der Ort des Geschehens: der Lipsiusbau der HTWK Leipzig. In weiter Ferne ist schon die Haltestelle „Connewitzer Kreuz“

Fazit

Trotz erträglichen Besuchermassen, guter Stimmung und der tollen Atmosphäre hat man dieses Mal mit den Highlights gegeizt. Nach wie vor gibt es zahlreiche spannende Spielestationen, um sich an älteren oder neueren Titeln zu ergötzen, doch richtig in Erinnerung hängen gebliebene Ereignisse blieben diesmal aus. Nichtsdestotrotz bleibt die Lange Nacht der Computerspiele der Tipp für Freunde von Retrospiele-Events, der mit einem freien Eintritt und günstigen Preisen lockt.

Kevin Puschak

Er schreibt seit 2017 über Videospiele, betreibt einen YouTube-Kanal für alte Software und Hardware, sammelt Technik und Spiele und spricht als Co-Moderator bei QUICK-LOAD. Kontaktiere ihn per Mail unter kevin.puschak@quick-save.de.

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