Mr. Robot • Staffel 2 • Defragmentiere dich, Elliot!

Die Auswirkungen des Angriffs auf E Corp werden sichtbar, aber Elliot kann sich nicht daran erinnern. Wie ist der Abend seiner Revolution abgelaufen? Wo steckt Tyrell Wellick? Und vor allem: Wie war Mr. Robot daran beteiligt? Elliot möchte Antworten, doch vor allem möchte er die Kontrolle über seine Erinnerungen und seine Gedanken zurück und loggt Mr. Robot erst einmal aus. Doch dieser findet immer einen Weg…


Staffel 2 der US-amerikanischen Tech-Thriller-Serie Mr. Robot wurde nach der Idee von Sam Esmail weiterhin von Anonymous Content und Universal Cable Productions produziert. Eigentlich besteht sie aus zehn Folgen, allerdings sind die Pilotfolge und das Finale zweigeteilt worden, sodass letztlich sie letztlich zwölf Episoden umfasst. Deren Länge variiert zwischen 40 und 65 Minuten. Die Namen der einzelnen Folgen enden mit Bezeichnungen für Verschlüsselungsmethoden.
Die Erstausstrahlung der Staffel fand am 13. Juli 2016 auf USA Network statt. Einen Tag später war sie bei Amazon Video in der Originalvertonung zu sehen. Im September 2016 folgte dort die deutsche Synchronfassung. Diese fand ihren Weg ins deutsche Fernsehen jedoch erst am 28. Juni 2017 als sie im Pay-TV-Sender RTL Crime gezeigt wurde.

Drei Tage nach dem Hacking-Angriff auf E Corp wacht Elliot (Rami Malek) im SUV von Tyrell Wellick (Martin Wallström) mitten in New York auf. Allerdings fehlt ihm jede Erinnerung von den Dingen, die seit dem Hack passiert sind. Mr. Robot (Christian Slater) muss zwischenzeitlich die Kontrolle über ihn übernommen haben. Doch was genau ist passiert und wo steckt Tyrell jetzt? Um weiteren Schaden abzuwenden und alleinige Kontrolle über sich zu bekommen, beschließt Elliot, zu seiner Mutter zu ziehen, da sie keinen Computer und keinen Internetzugang besitzt. Darüber hinaus folgt er einem strengen, sich stets wiederholenden, Tagesablauf und führt zum Beweis Tagebuch darüber.
Da sich Elliot, und damit auch Mr. Robot, zurückgezogen haben, liegt es nun an seiner Schwester Darlene (Carly Chaikin) die fsociety-Gruppierung anzuführen. Nachdem sie das Arcade-Gebäude verlassen haben, brauchen sie aber ein neues Hauptquartier. Dazu greifen sie die Systeme des Smarthouse von Susan Jacobs (Sandrine Holt) an. Diese ist langjährige Justitiarin bei E Corp und war bereits an den Prozessen um den Washington-Township-Skandal beteiligt. Folglich zieht sie vorübergehend in ihr Ferienhaus in Greenwich, bevor Darlene, Cisco (Michael Drayer), Mobley (Azhar Khan) und Trenton (Sunita Mani) das Haus besetzen.

Währenddessen hat sich Angela (Portia Doubleday) dazu entschlossen, dem Rat von Terry Colby zu folgen und einen Job bei E Corp anzunehmen. Hier kann sie mehr erreichen als von außen. Obwohl sie zunächst nur im PR Management arbeitet, nimmt CEO Philip Price (Michael Cristofer) von ihr und ihrem mutmaßlichen Vorhaben Notiz, ist davon aber wenig beeindruckt. Er sorgt sich nach dem Angriff viel mehr um die Firma und ihr neustes Geschäftsmodell, die Kryptowährung E Coin, die einen direkten Konkurrenten zu Bitcoin darstellt. Für dessen Erfolg scheut er sich nicht, politische Wege zu nutzen und Geschäfte mit dem chinesischen Minister für Staatssicherheit Zhi Zhang (BD Wong) zu machen.
Selbstverständlich hat das FBI die Ermittlungen gegen die Angreifer auf E Corp aufgenommen. Daher hat sich das Team um Special Agent Dominique DiPierro (Grace Gummer) und ihren Vorgesetzten Santiago (Omar Metwally) in einem Stockwerk des E-Corp-Gebäudes niedergelassen und dort Büros aufgebaut. Neben den Untersuchungen in New York reist das Team nach China, um mit Minister Zhang die mutmaßlichen Angriffe der Dark Army auf die dortigen Server zu diskutieren. Allerdings läuft dabei nicht alles nach Plan.

Zwischenzeitlich lernt Elliot Ray (Craig Robinson) kennen, der möchte, dass Elliot ihm bei einem Computerproblem hilft. Elliot lehnt zunächst ab. Ray berichtet von seinem Leben, während beide eine Partie Schach spielen. Ray gewinnt und gibt Elliot Brett und Figuren zum Üben mit. Mr. Robot ist unterdies darauf erpicht, Ray zu helfen und damit Zugang zu einem Computer zu bekommen. Um den Kampf zwischen ihm und Elliot zu beenden, schlägt er vor, dass sich beide im Schachspiel duellieren und der Gewinner die Kontrolle bekommt. Oder ist Kontrolle nur eine Illusion?

Die Handlung der zweiten Staffel knüpft, ausgenommen der Zeit, an die Elliot sich nicht erinnern kann, nahtlos an das Ende der ersten Staffel an. Auch die Rolle des Zuschauers bleibt dieselbe, er verkörpert weiterhin Elliots imaginären Freund, der Elliots Leben nur durch seinen gedanklichen Filter wahrnehmen kann. Da Elliot den Zuschauer aber zunächst nicht direkt anspricht, scheint es so, als wäre diese Rolle aufgegeben worden und der Zuschauer besäße die Kontrolle über die Inhalte, die er in Elliots Leben sieht. Doch dabei handelt es sich lediglich um eine Illusion, die so einen Bogen zwischen Inhalt und Produktionsstil spannt. Erst zur Mitte der Staffel wird enthüllt, wie die Wirklichkeit aussieht.
Diese bekommt der Zuschauer nur außerhalb Elliots Filterblase zu sehen. Die Auswirkungen des Five/Nine-Hacks sind allgegenwärtig. Dennoch fühlt sich der Erfolg, das größte Konglomerat der Welt gehackt zu haben, nicht wie ein Erfolg an. Die Wirtschaft ist dem Zusammenbruch nahe. Bargeld ist streng limitiert und viele Menschen bangen um ihre Existenz. Es herrscht Krieg und nur wenige unterstützen die vermeintliche Befreiung durch fsociety. Die Schere zwischen arm und reich, die durch den Cyberangriff geschlossen werden sollte, hat sich augenscheinlich noch weiter geöffnet.

Noch stärker als in der ersten Staffel verteilt sich die Handlung auf viele Handlungsstränge, die aus der Sicht der Charaktere überwiegend parallel verlaufen und sich nur selten kreuzen. Der Zuschauer wird hier, wenn auch indirekt, gefordert, eigene Verknüpfungen zu machen und Thesen aufzustellen, deren tatsächliche Existenz im folgenden aufgeklärt wird. Die Folge davon ist, dass die Erzählgeschwindigkeit abnimmt und die Gedanken und Dialoge der Charaktere stärker fokussiert werden. Die Fragen nach Moral und Gerechtigkeit werden zwar keineswegs unbeachtet gelassen, treten aber gegenüber den Emotionen der Figuren in den Hintergrund.
Ungeachtet der Tatsache, dass Elliot von den übrigen Handlungen ausgenommen zu sein scheint, finden sich diese Emotionen auch in seinen Gedanken. Er setzt alles daran, die Kontrolle über sich selbst zu gewinnen, während Mr. Robot verzweifelt versucht, ihn davon zu überzeugen, dass er und Elliot dieselbe Person sind und sich deswegen nicht erfolgreich bekämpfen können ohne sich selbst dabei zu schaden. Diese Erkenntnis fällt Elliot allerdings schwer und fällt in alte Verhaltensmuster zurück.

Um die Verbindung zwischen Elliot und Mr. Robot besser verstehen zu können, wird die lineare Erzählstruktur noch stärker als bislang gebrochen, um Einblicke in Elliots Vergangenheit und Gedankenwelt zu ermöglichen. Dennoch bleibt die Serie ihrem Konstrukt aus Kontrasten zwischen dem Ganzen und dem Einzelnen und dem System der Gesellschaft treu und kann erneut eine düstere Atmosphäre mit moralisch fragwürdigen Hintergründen erschaffen. Die gesunkene Handlungsgeschwindigkeit lässt aber an einigen Stellen die Spannung vermissen, die durch die Emotionen und Dialoge der Charaktere gerade zu Beginn der Staffel nicht immer aufgefangen werden kann.

Bis auf kleine Einschränkungen kann die zweite Staffel an die Qualität der ersten anknüpfen. Neben den neu geschaffenen Handlungssträngen ist der Bogen zwischen Inhalt und Stil in der ersten Hälfte der Staffel ein überaus gelungene Art, den Zuschauer mitzunehmen und ihn in die Geschichte einzubeziehen. Die Beziehung zwischen Elliot und Mr. Robot kann erneut durch die Dialoge und die Besetzung überzeugen. Gleiches gilt auch für Michael Cristofer, der seine Rolle als CEO von E Corp mehr als glaubhaft darstellt.
Die Gesellschaftskritik geht auch in Runde zwei von Mr. Robot weiter. Und sie macht Lust auf mehr. Wird fsociety die Revolution vollenden können oder gewinnt letztlich doch das System?

Zusätzliche Quellen: IMDb, fernsehserien.de, netzwelt.de


Titel: Mr. Robot
Erstausstrahlung USA: 13.07.2016 (USA Network)
Erstausstrahlung D: 14.07.2016 (Amazon Video)
Produktionsfirma: Anonymous Content, Universal Cable Productions
Idee: Sam Esmail
Darsteller (Auswahl): Rami Malek, Carly Chaikin, Grace Gummer, Christian Slater
Episodenlänge: 49 min
Streamen: Amazon¹
Kaufen: Amazon¹, Saturn

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Sven

schreibt vorwiegend über Videospiele, Technik und Veranstaltungen, sammelt Spiele und spricht als Co-Moderator bei QUICK-LOAD.

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2 Antworten

  1. Marina sagt:

    Gutes Review, wie gewohnt. Bereits das Review der ersten Staffel hier auf der Seite, hat mich dazu gebracht „Mr. Robot“ endlich gucken zu wollen, leider ist das bis heute nicht geschehen.
    Das muss ich jetzt dringend in Angriff nehmen, die Serie scheint sehr interessant und vielschichtig zu sein.
    Ich schäme mich ja schon ein bisschen deshalb.

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