FIFA 18 Demo • Alle Jahre wieder

Nicht schon wieder FIFA. Ist das nicht jedes Jahr dasselbe Spiel, in dem nur die Kader der jeweiligen Mannschaften angepasst werden? Allerdings hat EA sich letztes Jahr an einem Story-Modus versucht und irgendwie sieht das Spiel auch nicht mehr aus wie damals im Jahr 1994. Es muss also doch auch Dinge geben, die verändert worden sind. Außerdem ist da ja auch noch der Konkurrent aus Japan, der bisher vergeblich versucht, den Platzhirsch vom Thron zu schubsen. Also… auf ein Neues, Electronic Arts!


Ein guter Grund sich auf der Gamescom nicht in die Schlange für FIFA 18 zu stellen, war der recht zeitnah angesetzte Termin für die Demo-Version und im Gegensatz zu Pro Evolution Soccer erscheint diese nicht nur für PlayStation 4 und Xbox One, sondern auch für den PC. Spieler der Nintendo Switch können allerdings aus technischen Gründen nicht vorab testen. Wie bereits in der Demo des Vorgängers lassen sich zwei Spielmodi ausprobieren: den Kick-off-Modus und den Story-Modus.

Oblak beim Abstoß im Spiel Athlético Madrid gegen Real Madrid

Der Kick-off-Modus dient dazu, ein allgemeines Spielgefühl zu vermitteln und dementsprechend kann hier ein schnelles Freundschaftsspiel gestartet werden. Dazu kann der Spieler aus 12 internationalen Topmannschaften und vier Spielstätten wählen. Auch Kamera, Lautstärke und die Steuerung lassen sich anpassen. Allerdings ist die Halbzeitlänge auf vier Minuten begrenzt. Schnell zwei Teams ausgewählt und die Mannschaftsaufstellung festgelegt. Von der neuen Farbgebung des Menüs abgesehen, gibt es hier tatsächlich eine kleine Neuerung. Es lassen sich nun vor dem Spiel Auswechslungen festlegen, die während des Spiels in Spielunterbrechungen automatisch vorgeschlagen werden und durch Tastendruck initiiert werden können. Ansonsten warten hier keine Überraschungen. Dieselben Kommentatoren rattern wieder dieselben Phrasen herunter, die sich spätestens nach drei Spielen wiederholen. Score- und Adboard passen sich dem Wettbewerb an und die Stadionwürstchen sind derart schlecht, sodass die Fans immer noch an ihren Platz festgeklebt sind. Und natürlich hat niemand Bengalos in die Kurve geschmuggelt. Aber immerhin liegt manchmal Konfetti auf dem Rasen. Scheinbar ist aber auch der ziemlich klebrig. Nicht einmal eine ordentliche Grätsche kann die Dekoration beeindrucken.

Nichtsdestoweniger hat sich grafisch etwas getan. Der Rasen sieht noch einmal detaillierter aus und auch die Spieler sehen ihren echten Vorbildern noch einmal ähnlicher. Die Farben wirken nicht mehr ganz so künstlich bunt und überstrahlt wie in den Teilen der Vorjahre. Vor allem aber Details wie der Schweiß im Gesicht oder die Bewegung der Haare können überzeugen. Dem entgegen steht allerdings das Verhalten der Akteure im Falle einer Verwarnung oder eines Platzverweises. Während der Schiedsrichter scheinbar nur über eine, immer exakt gleich aussehende, Armbewegung zum Zücken seiner Karte verfügt, sind die sanktionierten Fußballprofis noch mehr Schauspieler als in Realität. Auf eine berechtigte gelbe Karte folgt ein Drama, das eine Vorstellung im Abendprogramm von 3sat rechtfertigen würde. Und eine zweite gelbe Karte wegen Meckerns.

Die schicke Grafik und die künstlerischen Qualitäten der Spieler können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die computergesteuerten Mitspieler ihre Spielintelligenz noch immer in der Kabine liegen lassen. Die Laufwege der eigenen Mannschaft sind unvorhersehbar und oftmals schlichtweg derart dämlich, dass ein vernünftiges Aufbauspiel nicht möglich ist. Auch beim Konterspiel, das eigentlich viel Platz schafft, ist es die Kollegen nicht möglich, sich vom Gegenspieler zu lösen, ohne dabei ständig ins Abseits zu laufen. Immerhin ist die Defensive halbwegs zu gebrauchen und neben dem Angriff auf den ballführenden Angreifer werden auch die Passwege zugestellt. Gegen hohe Flanken tut die Verteidigung aber zu wenig. Es scheint so, als würde Electronic Arts den Trend der letzten Jahre fortsetzen und die Fähigkeiten der einzelnen Spieler, wie etwa dem Übersteiger von Cristiano Ronaldo, dem Spiel als Mannschaft vorziehen.

Alex Hunter im Chelsea-Trikot

In FIFA 17 wartete EA erstmals mit einem Story-Modus auf, in dem der Spieler in die erste Profisaison des jungen Alex Hunter schlüpfen darf. Die Saison ist geprägt von Höhen und Tiefen und neben den Leistungen auf dem Platz sind auch die Dialogentscheidungen für die Entwicklung des Profis relevant. Dieser Story-Modus geht in diesem Jahr mit „The Journey: Hunter Returns“ in eine neue Runde. Dazu gibt es in der Demo einen kurzen Teaser: Der noch 18 Jahre alte Profi spielt aktuell bei der englischen Topmannschaft Chelsea FC und bekommt zum Ende der Transferphase ein Angebot seines Traumclubs, Real Madrid. Obwohl sein Großvater skeptisch ist, lässt er Alex die Entscheidung treffen. Er willigt ein. Das Ende des Transferfensters kommt näher und die ersten Pflichtspiele beginnen. Selbstverständlich hat sich das Wechselgerücht durch die Medien verbreitet. Der Trainer setzt Alex auf die Bank und die Chelsea-Fans sind wütend und enttäuscht, dass ihr junges Talent den Club verlassen möchte. In der zweiten Hälfte liegt seine Mannschaft zurück und er wird eingewechselt. Noch einmal will er den Zuschauern sein Talent beweisen und zum Abschied das Spiel drehen. Die letzten Stunden vor Ende der Transferphase laufen und der Vetrag bei den Königlichen ist noch nicht unterzeichnet, als plötzlich sein Agent auftaucht und ihn aufgeregt auffordert sofort mitzukommen. Sein Berater ist einem Betrüger aufgesessen und versucht nun Alex‘ Karriere zu retten.

So viel Drama auf einmal. Wie bereits im Vorjahr gibt es die Möglichkeit, seinen Trainer durch das Erreichen bestimmter Ziele zu beeindrucken und durch die Dialogauswahl bei der Mannschaft oder bei den Fans gut dazustehen. Oder man wählt die diplomatische Option. Auch wieder dabei ist die Entscheidung, ob die gesamte Mannschaft oder nur Alex Hunter gespielt werden soll. Die zweite Auswahl ist sicher die realistischere Option. Gleichwohl ist der Spieler aber damit der Dummheit der Mannschaftskollegen ausgeliefert. Also keine wirklichen Änderungen, sondern nur eine Fortsetzung der Geschichte. Allerdings sollen dieses Jahr noch mehr Auftritte von echten Spielern, darunter Cristiano Ronaldo und Thomas Müller, enthalten sein.

Schiedsrichter zeigt rote Karte

Electronic Arts macht hier einen weiteren Schritt in Richtung Realität. Allerdings nur bezüglich Drama und Show. Die Spieler regen sich gekünstelt über den Schiedsrichter auf und der bisher überaus vertraute Agent von Alex Hunter ist plötzlich auf einen Betrüger hereingefallen. Fehlt eigentlich nur noch, dass „The Journey“ mit einem 400-Millionen-Euro-Transfer zu Real Madrid endet. Ein absolut zeitgemäßes und glaubwürdiges Ende der Geschichte. Zugegeben: die Grafik ist super und die Atmosphäre auf dem Platz stimmt auch überwiegend. Und die finale Version enthält auch noch den Ultimate-Team-Modus. Und die meisten Lizenzen für Ligen und Mannschaften hat FIFA auch. Das alles kann aber nicht verbergen, dass FIFA 18, zumindest in dieser Demo, spielerisch deutlich hinter dem japanischen Konkurrenten liegt. Übrigens ist das seit Jahren so. Soll heißen, dass es auch dieses Mal wieder gilt: Lizenzen und Ultimate Team gibt es bei FIFA, echten Mannschaftssport bei PES.

Zusätzliche Quellen: GameStar


Titel: FIFA 18 Demo
Erscheinungsdatum: 12.09.2017
Entwickler: Electronic Arts Canada
Publisher: Electronic Arts
System: PC (Win), PS4, Xbox One
Herunterladen: Origin, PS Store, Xbox Store

Test-System kursiv

Sven Festag

schreibt vorwiegend über Videospiele, Technik und Veranstaltungen, sammelt Spiele und spricht als Co-Moderator bei QUICK-LOAD.

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