Ein Besuch im Heinz-Nixdorf-MuseumsForum Paderborn

Fassade des Heinz-Nixdorf-Museumsforums

Das Heinz-Nixdorf-MuseumsForum, das nach dem Gründer des wichtigsten deutschen Computerunternehmens benannt wurde, liegt im ehemaligen Hauptverwaltungsgebäude der Nixdorf Computer AG und ist nur wenige Kilometer von der heutigen Firmenzentrale der Diebold Nixdorf AG entfernt. Mit mehr als 2.000 Exponaten auf über 6.000 m² Ausstellungsfläche ist es das größte Computermuseum weltweit.


Unweit der Pader und des Padersees, im Nordwesten Paderborns, liegt das Heinz-Nixdorf-MuseumsForum, das nach dem Gründer des bekanntesten deutschen Computerunternehmens, Heinz Nixdorf, benannt wurde. Dieser hatte bereits 1977 die Idee, eine Sammlung von Büro- und IT-Maschinen anzulegen, um diese später auszustellen. Mit Nixdorfs Tod, verstarb zunächst auch die Idee, ein Computermuseum zu eröffnen, bevor fünf Jahre später die Idee erneut aufgegriffen und mit der Umsetzung begonnen wurde. Als Ausstellungsort wurde das damalige Verwaltungsgebäude ausgewählt, welches zu Ausstellungsräumen umgebaut wurde. Erst fünf weitere Jahre später, im Jahr 1996, wurde das Museum von Bundeskanzler Helmut Kohl eröffnet.

Wand mit mechanischer Telefonanlage
Die Ausstellung ist in einer weitgehend chronologischen Reihenfolge gestaltet. So beginnt der Rundgang im ersten Obergeschoss unter dem Motto „Von der Keilschrift zum Computer“ mit den Grundlagen: Zeichen und Zahlen, Schreiben und Rechnen. Zwei Tätigkeiten, die über viele Jahrhunderte privilegierten Gelehrten vorbehalten waren und erst später Einzug in alle Gesellschaftsschichten erlangten. Der Buchdruck, sowie der Erfindung von Schreib- und Rechenmaschine sollten folgen. Zahlreiche Exemplare verschiedenen Alters werden hier präsentiert; manche darf der Besucher auch selbst bedienen. Während die Schreibmaschine vergleichsweise einfach gestaltet und leicht zu bedienen ist, ist die Rechenmaschine komplexer, obwohl sie grundsätzlich nur Addieren und Subtrahieren kann. Multiplikation und Division müssen auf die anderen beiden Rechenarten zerlegt werden. Außerdem ist dazu ein Speicher notwendig, der das letzte Zwischenergebnis umfasst.

Insbesondere Verwaltungen und Gewerbetreibende profitieren von diesen Erfindungen. Schriftverkehr und Kalkulationen können so einfacher und schneller abgewickelt werden. Immer mehr Büros wurden damit ausgestattet und so wundert es nicht, dass auch die Ausstellung die Geschichte des Büros umfasst. In diesem Zusammenhang porträtiert die Ausstellung auch die Erfindung von Telefon und Telegraph sowie von Buchungssystemen und Registrierkassen, ein Geschäftsfeld, das später auch durch die Wincor Nixdorf AG bedient werden wird. Auch hier darf wieder selbst probiert werden: Eine automatische Telefonvermittlungsmaschine, an die sechs Telefone angeschlossen sind, die Orts- und Ferngespräche simulieren können. Darüber hinaus gibt es eine Anzeige, die an einen Telegraphen angeschlossen ist und die Nachricht direkt lesbar machen kann. Während die Vermittlung am Telefon problemlos und eindrucksvoll funktionierte, war die Handhabung des Telegraphen mühsam, da die Zeichenfolgen oftmals nicht korrekt erkannt worden sind. Selbst kurze Wörter waren problematisch. Andererseits fehlt vielleicht auch nur die Übung in der Benutzung.

Nach der Rechenmaschine entwickelten sich dann die Lochkartensysteme, die es möglich machten, erste Programme zu schreiben und berechnen zu lassen, bevor die ersten „richtigen“ Computer entwickelt wurden. Riesige, tonnenschwere Maschinen, die zunächst nur zu Forschungszwecken betrieben wurden, später aber auch eine entscheidende Rolle im Krieg haben sollten: Dem Ver-und Entschlüsseln von Nachrichten.

Geöffneter Atari 8800
Hier knüpft das zweite Stockwerk an. Das Militär hat die Computertechnologie für sich entdeckt und entwickelt weiter in diese Richtung und auch die Raumfahrt schloss sich diesem Trend an, sodass die Entwicklungsgeschwindigkeit zunahm und einige Jahre später die ersten Rechner für Unternehmen verfügbar gewesen sein werden, bevor sich schließlich der Computer seinen nach Hause und in die Hosentasche bahnte. Hier trifft der Kontrast des letzten Jahrhunderts aufeinander. Riesige Hochleistungsrechner mit zahlreichen Bandlaufwerken, kleine Terminals für den Schreibtisch am Arbeitsplatz und das Handy für die Kommunikation unterwegs. Unter den vielen Ausstellungsstücken finden sich auch historisch bedeutsame Exponate wie etwa einen Altair 8800, für den Bill Gates und Paul Allen einst einen BASIC-Interpreter programmiert haben oder aber der originale Personal Computer, der IBM PC 5150, der einen, bis heute bekannten, Industriestandard der „IBM-PC-kompatiblen Computer“ geschaffen hat.

Dieses Zeitalter wendet sich immer mehr ab von der Bindung zur Hardware. Software hingegen wird immer wichtiger. Während mit den Bürocomputern Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogramme einhergingen, erinnern Heimcomputer an Videospiele. Sie waren die nächste Generation der Computer, die Arbeit und Freizeit auf einem einzigen Gerät ermöglicht haben. Gleichzeitig fanden sich auch weitere Einsatzzwecke für solche Rechner, etwa dem Erstellen von Grafiken und Klängen, wie es damals oft auf einem Commodore 64 praktiziert worden ist. Dieser ist auch Einstiegsplattform für viele Programmierer gewesen. Einen kleinen Einblick in die Welt des Programmierens bekommt der Besucher mittels einer 7×7-Matrix von Winkekatzen. Dieses wird durch ein bewusst einfach gehaltenes Kontrollpult gesteuert. Es können verschiedene Abfolgen und Schleifen durch das Anordnen von Schablonen erzeugt werden.

Darüber hinaus wird auch der aktuelle und zukünftige Stand der Technik beleuchtet, wobei hier künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle spielt. Neben einem zeichnenden Computer gibt es auch eine Roboterdame, die in der Lage ist, Gespräche zu führen und ein wenig an den Evie Chatbot erinnert oder aber eine Software, die anhand von Gesichtern, Alter und Emotionen einschätzen kann. Das klappt allerdings nicht wirklich. Die Software ist sehr von der Beleuchtung abhängig und lässt sich zudem leicht täuschen. Aber auch das gehört zur Entwicklung dazu.

Ein IBM PC 5150
Das dritte Stockwerk umfasst den Bereich für Sonderausstellungen. Zuletzt waren dort die Ausstellung unter dem Titel „Damit kannst du rechnen! Vom Abakus zum Rechenschieber“ und „Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt“ zu sehen. Die erste präsentiert verschiedene Methoden und Hilfsmittel, die vor der Zeit der Rechner genutzt wurden und hier ausprobiert werden konnten. Unter den Exponaten befanden sich neben römischen Handabaki und einem Rechenteppich auch die erste Rechenmaschine der Welt.

Der andere Themenbereich bot Stationen zu Datenschutz zu Hause, unterwegs und auf der Arbeit. Sie zeigte zu dem, wie Hacker erkannt werden können und welche Auswirkungen ein Stromausfall auf eine smarte Stadt hat.

Die Sonderausstellungen sind aktuell wieder geschlossen. Zwischen dem 25.08.2017 und dem 26.11.2017 folgt dort „Ganz schön zerlegt: Die Kunst, Dinge neu zu ordnen“, in der Fotografien von zerlegten Geräten des Künstlers Todd McLellan präsentiert werden. Zudem wird er in den ersten vier Tagen vor Ort ein Gerät zerlegen.
Im Erdgeschoss hingegen befinden sich, abgesehen von der Information und dem Souvenirladen, mehrere Spieleinseln, die unter anderem die Entwicklung von Fußballsimulationen in den letzten Jahrzehnten. Außerdem war als Sonderexponat ein Flipper zu sehen, der auf Augenhöhe angehoben worden ist und von sich aus behauptet, ein First-Person-Pinball-Erlebnis zu bieten.

Wand mit zahlreichen Handys von 1989 bis heute
Für 7 Euro (4 Euro ermäßigt) Eintritt darf sich im größten Computermuseum der Welt umschauen und ist damit einige Stunden beschäftigt. Es gibt schließlich viel zu sehen und auch eine Menge zum Ausprobieren. Insbesondere das zweite Stockwerk, das die Entwicklungen der letzten 70 Jahre präsentiert, kann da besonders gut überzeugen. Aber auch die Telefonvermittlungsanlage in der ersten Etage ist eine interessante Station. Eine nette Spielerei sind auch die zwei, entsprechend dem Stockwerk optisch angepassten, Roboter namens Peter und Petra, die die Besucher zu Ausstellungsstücken führen können. Nur bewegen sie sich im Sinne die Sicherheit doch recht langsam.

Trotz der vorgegebenen Laufrichtung, die sich an der historischen Zeitlinie orientiert, sind die Gänge recht verwinkelt. Das lädt zwar einerseits zum Erkunden abseits des Hauptweges ab, ist aber ein wenig verwirrend, wenn man nicht an der selben Stelle auf diesen zurückkehrt.

Die Sonderausstellungen waren leider ein wenig enttäuschend. Zwar gab es überwiegend Stationen zum Ausprobieren, aber insgesamt war der Informationsgehalt mager. Das Stockwerk wirkte im Gegensatz zur Dauerausstellung lieblos aufgebaut und unfertig aus. Die Lücken zwischen den Stationen waren deutlich größer und die Datenschutz-Ausstellung ist in eine dunkle Ecke verbannt worden.
Insgesamt aber können Menschen mit Interesse an Computern, Geschichte oder beidem hier einen spannenden und lehrreichen Nachmittag verbringen, wenngleich es nahezu unmöglich ist, sich alle Exponate anzusehen oder alle Stationen auszuprobieren. Und vielleicht ist die nächste Sonderausstellung kompakter und sehenswerter.

Zusätzliche Quellen: HNF, HNF, HNF, HNFHNF, HNF, Broschüre HNF 1/17
Zusätzliche Bildquellen: Thumbnail (erstes Bild), Paderborn HNF, von ludger1961, genutzt unter CC BY-SA 3.0. Das Bild ist nachträglich skaliert worden.

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